motörhead klopstöck / weiß

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Unter dem Titel „motörhead klopstöck“ erschien am 25.06.2020 das neue Buch des Augsburger Lyrikers Gerald Fiebig. Der Titel im Kölner Verlag parasitenpresse ist Fiebigs erster umfangreicherer Lyrikband seit fast anderthalb Jahrzehnten. Wie im Titel der Name einer Rockband und der eines Dichters, so werden auch im Buch diverse thematische und formale Stränge zusammengeführt. Viele davon ziehen sich seit Fiebigs erstem Buch „kriechstrom“ (1996) durch sein Schaffen.

Thematisch gilt dies etwa für die intensive Auseinandersetzung mit Massenmedien und Popkultur, aber auch die an konkreten Orten festgemachte Suche nach Spuren von Faschismus, Krieg und Kolonialismus. Wie in früheren Bänden begegnet uns Gerald Fiebig als melancholischer bis wütender Beobachter entfremdeten Alltags. Von einer gänzlich unbekannten Seite zeigt sich der Autor hingegen in den Liebesgedichten, die seiner Ehefrau Tine Klink gewidmet sind. Eine eigene Abteilung des Buches ist der sprachspielerischen Dekonstruktion von sprachlichen Geschlechter-Stereotypen gewidmet.

In formaler Hinsicht ist „motörhead klopstöck“ wohl Fiebigs variantenreichstes Buch. Das im Titel angekündigte Niederreißen von Pop- und „Hochkultur“-Grenzzäunen ist Programm. Von Odenstrophe und Sonett über chiffrenhafte Lakonik und dadaeske Collagetexte bis zu binnenreimgetriebenen Spoken-Word-Gedichten bringt Gerald Fiebig hier ein breites Spektrum an lyrischen Formen zum Einsatz.

Paralell dazu erschien am 25.06.2020 das Hörbuch „weiß“.

2005 beendete Gerald Fiebig das letzte Gedicht in seinem Buch „geräuschpegel“ mit dem Wort „weiß“. Der Sonettenkranz „weiß“ schließt direkt daran an. Er wurde 2005 geschrieben, aber erst 2019 in der Zeitschrift „manuskripte“ (Heft 225) abgedruckt. Öffentlich vorgetragen wurde er nur einmal 2020 in einer Livesendung des Literaturkanals Augsburg.

 

KLONK: Gedächtnisverstörung

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Preisliste zur Ausstellung

Gedächtnisverstörung ist die zweite Ausstellung des Duos KLONK nach Grünstreifen (Galerie Extrawurst, Augsburg 2017). Während die letzte Ausstellung aus Rauminstallationen mit akustischer Komponente bestand, enthält Gedächtnisverstörung erstmals Arbeiten ganz ohne Klang. Allerdings bilden Klang-Speichermedien wichtige Bestandteile von einigen der ausgestellten Bild- und Objektserien. Als Erinnerung an die Ausstellung erschien am 08. Februar 2020 das Download-Album Memories To Go auf gebrauchtemusik.bandcamp.com. Im Rahmen der Finissage am 16. Februar 2020 war es in der Ausstellung öffentlich zu hören.

Für die Unterstützung beim Rahmenprogramm bedanken wir uns ganz herzlich bei Sebastian Kochs für die Eröffnung,

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Sebastian Kochs (Mitte) mit KLONK bei der Vernissage am 08.02.2020 (Foto: Martina Vodermayer)

Julia Zemanek aka The Bassenger für ihr Konzert bei der Vernissage,

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The Bassenger live bei der Vernissage am 08.02.2020 (Foto: Martina Vodermayer)

Annekatrin Gehre und ihren Kolleg*innen von Augsburg Postkolonial – Decolonize Yourself, Claudia Zerbe und Doris Kettner vom KompetenzNetz Demenz und Dr. Barbara Wolf vom Architekturmuseum der Technischen Universität München. Für technische und logistische Hilfe danken wir Gerti Papesch sowie Sascha Stadlmeier und seinem Label attenuation circuit.

Vom Schwarz zum Nichts / Pinocchio vs. The Mixtape / Sewing Sound / 3 in 1

Auf der Einladung zur Ausstellung ist eine (defekte) Tonbandkassette zu sehen. Speichermedien wie Fotos, Ton- oder Datenträger scheinen sich als symbolische Objekte wie von selbst anzubieten, wenn es um Erinnerung geht. Im Englischen werden das menschliche Gedächtnis und der technische Speicher ja sogar mit ein und demselben Wort bezeichnet: „memory“. In Wirklichkeit „hat die lange Zeit gängige Vorstellung, Erlebnisse und Erinnerungen würden im Gehirn wie in einem Computer gespeichert und wären – vorausgesetzt, man verfügt über die richtigen Passwörter und Aufrufbefehle – aus diesem Speicher wieder abrufbar, mit der Funktionsweise des Gedächtnisses, soweit sie bis heute entschlüsselt ist, nicht allzu viel zu tun.“1 Daher wirft eine Arbeit wie die fünfteilige Serie Vom Schwarz zum Nichts die Frage auf, ob es eine Grenze der Externalisierung und Virtualisierung von Gedächtnisinhalten gibt. Gibt es einen Punkt, an dem so viele Informationen aus unseren Gehirnen in eine diffuse Wolke ausgelagert sind, „dass wir das Denken verlernen“2, wie manche Experten befürchten? Brauchen wir letzten Endes nicht doch Objekte, in denen wir unsere Erinnerungen verankern können?

 

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„Vom Schwarz zum Nichts“

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„Vom Schwarz zum Nichts“ – Detail (Foto: Gerhard Detzer)

Klangspeichermedien finden auch in anderen Arbeiten der Ausstellung Verwendung. Das ist nicht nur ein Verweis auf die früheren Arbeiten von KLONK, die vorwiegend im Bereich Klangkunst angesiedelt waren, sondern hat auch inhaltliche Gründe. Schallplatten und Tonbandkassetten haben ein hohes Potenzial, bei unserer Generation (und der unserer Eltern) Gefühle und Assoziationen auszulösen. Was uns hier an diesen Speichermedien interessiert, ist nicht die technische Möglichkeit, Musik darauf zu speichern. Interessant ist vielmehr, dass gerade solche Musik-Objekte durch ihren sozialen Gebrauch für viele Menschen oft auch mit vielen eigenen Erinnerungen aufgeladen werden – die lebensverändernde Schallplattte, das Mixtape für die erste Liebe oder gute Freund*innen sollen hier als Stichworte genügen. Es handelte sich dabei nicht nur um Klang-Objekte (also die Musikstücke, die man hört), sondern um sichtbare, greifbare Gegenstände, die nicht ohne visuelle Komponente auskamen – vom aufwendigen künstlerischen Plattencover bis zur Beschriftung oder wahlweise liebevoll gebastelten Gestaltung der selbst aufgenommenen Kassette. Mit diesen Aspekten beschäftigen sich die zweiteilige Arbeit Pinocchio vs. The Mixtape,

die Serie Sewing Sound 

sowie die dreiteilige Arbeit 3 in 1. Für das Material zur letztgenannten Arbeit danken wir Brigitte Fiebig.

Krapp’s Domino

Das Vergessen (oder treffender: der Verlust von Erinnerungen) steht im Fokus der Arbeit Krapp’s Domino. Tonbandkassetten sind in dieser Rauminstallation so angeordnet, dass durch den Domino-Effekt die folgenden umfallen, wenn man eine anstößt. Der andere Teil des Titels spielt auf Samuel Becketts Stück Krapp’s Last Tape an (auf Deutsch: Das letzte Band). Der alte Krapp, die einzige Figur, hört sich darin Tonbänder an, die er in früheren Phasen seines Lebens als akustische Tagebücher aufgenommen hat. Im Fall von Krapp’s Domino sind die Kassetten Arbeitsmaterialien aus der akustischen Arbeit von Gerald Fiebig nicht nur vor der Gründung von KLONK, sondern in vordigitaler Zeit, also vor allem aus den 1990er-Jahren. Das Theaterstück Krapp’s Last Tape ist eine Meditation über Gedächtnisverlust – Krapp findet sich nur mit Mühe in seinen vielen Tonbandspulen zurecht –, aber auch über das Loslassen-Können von Vergangenem, das sich erledigt hat. Krapp’s Domino macht dieses Loslassen (und Weitergehen) zusammen mit dem Publikum der Ausstellung wiederum zu einer sozialen Erfahrung. Jede*r Besucher*in findet auf den Kassetten einen Link zu dem neuen Album Memories To Go von KLONK und kann sich eine beliebige Anzahl Kassetten mitnehmen. (Das Titelstück des Albums ist der Live-Mitschnitt einer Performance mit einer zufälligen Auswahl der Kassetten, die bei der Vernissage stattfand.)

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Live-Performance „Memories To Go“ (Foto: Martina Vodermayer)

„Aber ich wünsche sie nicht zurück. […] Nein, ich wünsche sie nicht zurück.“3 Vielmehr bitten wir für die mitgenommenen Kassetten am Ausgang um eine Spende, die wir an die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI)4 weitergeben werden. (Im Lauf der Ausstellung kamen auf diese Weise 180,- Euro an Spenden zusammen, die am 17.02.2020 an die AFI überwiesen werden konnten.)

An was man sich alles erinnert nach so einer Zeit

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„An was man sich alles erinnert nach so einer Zeit“ (Foto: Gerhard Detzer)

Alzheimer-Demenz ist auch der thematische Rahmen für die Rauminstallation An was man sich alles erinnert nach so einer Zeit. Ein Großteil der in der Arbeit verwendeten Objekte stammt aus dem Nachlass von Gerald Fiebigs Großmutter Friederike Brenner (1923–2019), die in ihren letzten Lebensjahren an Demenz erkrankte. Der im Titel unserer Ausstellung aufscheinende verstörende Charakter dieser Krankheit beruht nicht nur darauf, dass scheinbar selbstverständliche und grundlegende Dinge nicht mehr erinnert werden. Ebenso verstörend für das Bild einer kohärenten Persönlichkeit wirkt das plötzliche Hervortreten von Erinnerungen an vergessen geglaubte oder verdrängte Lebensphasen und das für Außenstehende oft völlig unverständliche Ineinanderfließen von biografischen Zeitebenen. Auch das wirkt weniger wie ein simples Vergessen, sondern eher wie die Konstruktion einer (Parallel-) Realität aus den Fragmenten, über die man noch verfügen kann. Diese Rätselhaftigkeit, die eine der großen Herausforderungen für die Angehörigen von Demenzpatient*innen darstellt, ist das Thema der Arbeit. Die Erfahrung dieser Rätselhaftigkeit und oft auch Ratlosigkeit will die Arbeit auch für die Betrachter*innen ermöglichen.

Zur Thematik der Arbeiten Krapp’s Domino und An was man sich alles erinnert nach so einer Zeit fand im Rahmen der Ausstellung am 13.02.2020 die Veranstaltung Demenz: die hellen und die dunklen Seiten dieser Gedächtnisverstörung mit Claudia Zerbe und Doris Kettner vom KompetenzNetz Demenz statt.

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Claudia Zerbe (links) und Doris Kettner bei der Veranstaltung am 13.02.2020

Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen (für Martin Kippenberger)

KLONK_IchKannBeimBestenWillen_SerieWenn „das kollektive Vergessen ein anderes ist als das vereinzelte“5, dann gilt das selbstverständlich auch für das kollektive und das vereinzelnte Erinnern. In Zeiten, in denen ein antifaschistischer Minimalkonsens bezüglich der Verbrechen des Nationalsozialismus anscheinend sogar schon von rechtsextrem eingestellten Geschichtslehrern sabotiert werden kann6, erscheint es naiv bis gefährlich, wenn man annimmt, ein Nazi-Gebäude sei für jede*n Betrachter*in automatisch, also ohne weitere Problematisierung der Herkunft des Gebäudes, ein Mahnmal (und nicht etwa eine Kultstätte). Auf diese Problematik verweist die Arbeit Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen (für Martin Kippenberger).

Das für die Serie verwendete Foto zeigt ein Detail des Gebäudes Reinöhlstraße 72 in Augsburg, heute eine Dienststelle der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. „Die große Fassadenskulptur der Giebelseite – ein steinerner Reichsadler – blieb bis auf die Entfernung des Hakenkreuzes nach 1945 bis heute unverändert.“7 Der Titel ist eine Hommage an das 1984 entstandene Gemälde „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken“ von Martin Kippenberger (1953–1997)8.

Zu dieser Arbeit fand im Rahmen der Ausstellung am 14.02.2020 unter dem Titel Wo ist der Haken? Vom Umgang mit architektonischen Spuren der NS-Zeit ein Kurzvortrag mit anschließendem Gespräch mit Dr. Barbara Wolf vom Architekturmuseum der Technischen Universität München statt.

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Vortrag von Dr. Barbara Wolf am 14.02.2020

Da waren’s nur noch neun

Im kulturellen Gedächtnis – etwa in Gebäuden, Denkmälern, Straßennamen, in der stereotyp-abwertenden Darstellung von ‚Fremden‘, z.B. Schwarzen Menschen9, und nicht zuletzt in der Sprache – hat auch der Kolonialismus in Deutschland seine Spuren hinterlassen. Anders als (derzeit noch) im Fall des Nationalsozialismus gibt es jedoch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft in Bezug auf den (deutschen) Kolonialismus nur ein sehr geringes Problembewusstsein. Das scheint einer Bagatellisierung der Repression und Ausbeutung in den deutschen Kolonien Vorschub zu leisten bzw. der Weigerung, sich überhaupt damit auseinanderzusetzen, dass für Menschen mit afrikanischer Herkunft die Verwendung kolonialistischer Begriffe und anti-Schwarzer Stereotype die negativen Erfahrungen kolonialer Unterdrückung fortschreiben kann. Während solche Erfahrungen in Afrika Teil der kommunikativen Überlieferung in unzähligen Familiengeschichten mit durchaus bis in die Gegenwart reichender Brisanz sein dürften, scheint ‚der Kolonialismus‘ für einen Großteil der deutschen Gesellschaft eine ungreifbar ferne, für das Heute nicht mehr relevante Vergangenheit zu sein. Polemisch zugespitzt, ist die Kolonialherrschaft des deutschen Reichs, die vor nur wenig mehr als 100 Jahren endete, anscheinend genauso fern wie die ersten deutschen Kolonialunternehmungen nach Südamerika von Bartholomäus Welser – obwohl beide in mehr oder minder direkter Konsequenz in den Völkermord führten. Die Arbeit Da waren’s nur noch neun (der Titel und die Anzahl der verwendeten Objekte beziehen sich außer auf einen rassistischen Zählreim10 auf Berichte, dass eines der in der Installation verwendeten Produkte inzwischen nicht mehr hergestellt werde11) stellt sozusagen Schnappschüsse von (oft in Augsburg angesiedelten) Schauplätzen dar, an denen – mit jeweils unterschiedlichem Ausgang – um die Dekolonisierung unseres kulturellen Gedächtnisses gerungen wird. „Als Ergebnis solcher Deutungskämpfe kann sich ein breiter Konsens hinsichtlich wichtiger historischer Ereignisse herausbilden“12 – und im Hinblick auf die Zukunft unserer Gesellschaft scheint es doch mehr als wünschenswert, einen Konsens darüber zu erzielen, dass die Unterdrückung, Ausbeutung und Vernichtung von Menschen in jeder Phase der Geschichte zu betrauern und zu verurteilen ist.

Zu dieser Arbeit fand im Rahmen der Ausstellung am 12.02.2020 unter dem Titel Rassistisches Dreikönigstreffen? eine Diskussionsveranstaltung mit Mitgliedern der Gruppe „Augsburg Postkolonial – Decolonize Yourself“ statt.

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Diskussion mit Mitgliedern von „Augsburg Postkolonial – Decolonize Yourself“ am 12.02.2020 (Foto: Augsburg Postkolonial – Decolonize Yourself)

Über KLONK

KLONK sind Tine Klink und Gerald Fiebig (beide Jahrgang 1973). 2017 präsentierten sie ihre erste Ausstellung Grünstreifen in der Galerie Extrawurst, Augsburg, und veröffentlichten die CD For the Birds auf dem Label Recordings for the Summer. 2018 war ihre Klanginstallation Klangdüker in Augsburg im St.-Jakobs-Wasserturm (im Rahmen der Langen Nacht des Wassers) und im Maximilianmuseum zu hören. 2019 gestalteten sie die musikalische Umrahmung für die Ausstellung Bien von Maximilian Prüfer in der Schwäbischen Galerie in Oberschönenfeld. KLONK leben und arbeiten in Augsburg-Pfersee.

Unsere Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen

Augsburg Postkolonial – Decolonize Yourself: https://augsburgpostkolonial.wordpress.com

KompetenzNetz Demenz: http://www.mit-alzheimer-leben.de
Architekturmuseum der Technischen Universität München: http://www.architekturmuseum.de

Sebastian Kochs: https://soundcloud.com/the_creeping_candies

The Bassenger: https://soundcloud.com/lady-morph

Sascha Stadlmeier: https://emergeac.wordpress.com | http://www.attenuationcircuit.de

Gerti Papesch: http://www.gerti-papesch.de

1Harald Welzer: Das kommunikative Gedächtnis. Eine Theorie der Erinnerung. München: 4. Auflage 2017, S. 20

2kut: Bildung [auf der Themenseite: Was macht das Internet mit uns?]. Süddeutsche Zeitung Nr. 297 (24./25./26. Dezember 2019), S. 21

3Samuel Beckett: Das letzte Band. In: ders.: Dramatische Dichtungen. Band 2. Frankfurt/Main 1964, S. 109

4Diese Initiative fördert die medizinische Forschung zur Therapie der Alzheimer-Krankheit. Sie beschreibt ihre Arbeit wie folgt: „Wir fördern Projekte in der klinischen Alzheimer-Forschung sowie in der Ursachen- und Diagnoseforschung. Jeder Forscher einer deutschen Universität oder eines öffentlichen Instituts kann einen Antrag auf Fördermittelvergabe stellen. Über die jährliche Vergabe der Fördermittel entscheidet unser Wissenschaftlicher Beirat. Seit der Gründung konnten wir bisher 288 Forschungsaktivitäten mit über 11,2 Millionen Euro unterstützen. Die AFI ist heute der größte private Förderer der Alzheimer-Forschung in Deutschland. […] Wir bekommen kein Geld von der Pharmaindustrie oder vom Staat. So können wir unabhängig von unternehmerischen Interessen und staatlicher Einflussnahme Projekte fördern, die wir für elementar und aussichtsreich halten.“ (www.alzheimer-forschung.de/ueber-uns/wer-wir-sind/, abgerufen am 31.12.2019)

5Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land. Stuttgart 2019, S. 191

7Michaela Haibl: Somme-, Arras- und Panzerjäger-Kaserne. In: Winfried Nerdinger in Zusammenarbeit mit Barbara Wolf und Alexandra Schmid (Hg.): Bauten erinnern. Augsburg in der NS-Zeit. Berlin 2012, S. 112

8Zur Bedeutung des Gemäldes siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_kann_beim_besten_Willen_kein_ Hakenkreuz_entdecken, dort auch ein Link zu einer Abbildung des Werks (abgerufen am 05.01.2020)

9Wir benutzen die von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. verwendete Großschreibung von ‚Schwarz‘ [und analog dazu auch von ‚Weiß‘], „um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle ‚Eigenschaft‘, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-sein in diesem Kontext nicht nur, pauschal einer ‚ethnischen Gruppe‘ zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der Erfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden.“ (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1037585.nichtbetroffene-bestimmen-was-rassismus-ist.html, abgerufen am 05.01.2020).

12Bernward Anton: Die Erinnerung an die Revolution. In: Archiv der Münchner Arbeiterbewegung e.V. (Hg.): Revolution in München. Alltag und Erinnerung. München 2019, S. 89

Studio KO-OP (Paolo Moretto & PAAK)/EMERGE/Gerald Fiebig: voice & noise

Remembering the October Revolution, the Munich soviet republics & DADA – we had opportunities.

Live performance at Kulturhaus abraxas (Augsburg / Germany), February 2019

credits

released January 11, 2020

Little instruments, effects, voices, tapes etc. by Studio KO-OP / EMERGE / Gerald Fiebig
recording by EMERGE
editing by EMERGE & PAAK
cover by PAAK

www.ko-op.eu
www.paolomoretto.com
www.peterkastner.eu
emergeac.wordpress.com

 

23 Minutes for Recorder and Recorder

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„23 Minutes for Recorder and Recorder“
von Elisabeth Haselberger und Gerald Fiebig
sind eine Version eines Stücks aus ihrem Zyklus „Recordari“.

https://recorderrecorder.wordpress.com/

„23 Minutes for Recorder and Recorder“ erarbeiten Haselberger und Fiebig auf der Basis von „Recordari #1“. Wir reisen von unterschiedlichen Orten (Ulm und Augsburg) zur Aufführung in München an. Daher sind die Klänge auf dem Weg zur Aufführung für uns Teil der „äußeren Umgebung des Aufführungsorts“. Elisabeth Haselberger berichtet auf akustische Weise über ihre Anreise von Ulm nach München – was nicht nur die quasi programmmusikalische Abbildung von Umweltgeräuschen meint. Die „Reise“ zur Aufführung kann auch interpretiert werden als der geistige und instrumentaltechnische Vorbereitungsprozess – sodass alles, was auf der Bühne erklingt, ein „Ergebnisbericht“ über diese Reise ist.

Gerald Fiebig hat mit seinem Recorder eine lange Aufnahme (1 Stunde 20 Minuten) seiner Zugfahrt von Augsburg nach München gemacht und eine kurze (ca. 3 Minuten), wie er in München von der U-Bahn-Station zu seinem Zielort läuft. Jede dieser Aufnahmen wurde auf genau 23 Minuten gestaucht bzw. gedehnt. Diese beiden Varianten vom Recorder relativierter Zeit dienen ihm als Instrumentarium.

Die Beschäftigung mit Textpartituren wie dieser wirft auch Fragen nach dem Wert von musikalischer Zeit als Arbeitszeit auf. Wie viel Zeit muss investiert werden, um aus der Partitur eine gelingende Aufführung zu machen? Diese Frage stellt sich selbstverständlich bei jeder Partitur: jedes Stück muss ja analysiert und dann geprobt werden. Die Frage verschärft sich allerdings nochmals bei Partituren, die sehr viel Kompositionsaufwand vom „offiziellen“ Komponisten an den Interpreten oder die Interpretin delegieren. Bei vielen „inderminierten“ Stücken oder „Number Pieces“ von John Cage ist es z.B. realistisch anzunehmen, dass sie viel schneller geschrieben wurden, als die Vorbereitung für eine Aufführung dauert. Allzu häufig schlägt sich das nicht in einer angemessenen Würdigung der Interpret*innen nieder. Das bezieht sich nicht nur auf deren Honorierung. Es geht auch um die Frage: Wer kann hier eigentlich mit Recht in Anspruch nehmen, der Komponist oder die Komponistin zu sein? Mit der Münchner Aufführung von „23 Minutes for Recorder and Recorder“ sind wir in der glücklichen Lage, als Composer-Performer beide Rollen verbinden zu können. Das Konzept von „Recordari“ bietet seinen Interpret*innen (die wir ausdrücklich als Ko-Komponist*innen sehen und die als solche auch immer genannt werden sollen) aber bewusst sehr breite Auslegungsmöglichkeiten, wie eine Aufführung vorzubereiten ist. Man kann die Texte von „Recordari“ als Grundlage für eine gelenkte Improvisation ohne jede weitere Vorbereitung verwenden oder nach ihrer Vorgabe komplexe ausnotierte Kompositionen erstellen.

Welche Variante sie wählen ­ also eben auch: wie viel Zeit sie in die Erarbeitung einer bestimmten Menge musikalischer Zeit investieren – können die künftigen Verwender*innen von „Recordari“ auch davon abhängig machen, mit welchen finanziellen Rahmenbedingungen sie für diese musikalische Zeit wirtschaften müssen.

Recorder? Recorder! (Konzert mit Elisabeth Haselberger)

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Samstag, 15. September 2018, 19:00 Uhr – Aegis Literatur Buchhandlung, Ulm

Elisabeth Haselberger: Blockflöten & Recorder
Gerald Fiebig: Recorder & Elektronik

Gerald Fiebig/Elisabeth Haselberger
Recordari #2 for Recorder and Recorder (2018, UA)
Spielanweisung: „Benutzen Sie einen recorder, um ein konkretes politisches Ereignis akustisch wiederzugeben, bei dem Sie anwesend waren, z.B. eine Demonstration […] Benutzen Sie einen recorder, um Ihre Haltung bzgl. der Situation oder der dort formulierten Ansichten auszudrücken.“
Aufnahme: Gerald Fiebig (Demonstration gegen neues bayerisches Polizeiaufgabengesetz, Marienplatz, München, 10. Mai 2018).
Die Vorbereitung der Uraufführung von „Recordari #2“ wurde ermöglicht durch einen Arbeitsaufenthalt im Kunstort ELEVEN Artspace, Starzach-Börstingen.

Gerald Fiebig/Elisabeth Haselberger
Recordari #1 for Recorder and Recorder (2018, UA)
Teil 1 bis 3
Spielanweisung: „Benutzen Sie einen recorder, um die akustische Umgebung des Aufführungsortes an den Aufführungsort zu versetzen. Benutzen Sie bei der Aufführungen einen recorder, um Ihren Weg zum Aufführungsort (ganz oder teilweise) auf akustische Weise nachzuerzählen.“
Aufnahme: Elisabeth Haselberger (Vor der Buchhandlung Aegis, Ulm, 31. Juli 2018, mittags)

Gerald Fiebig/Elisabeth Haselberger
Aegis für Blockflöte und Elektronik (2018, UA)
Speziell für das Konzert in der Aegis Literatur Buchhandlung wurde dieses Stück entwickelt. Eine Aufnahme von Geräuschen rund um die Buchhandlung wird elektronisch so bearbeitet, dass sie Grundlage eines Stücks in den Tonarten A, E, Gis wird und somit auf musikalische Art den Namen des Spielorts buchstabiert.

„Recordari“ ist das lateinische Wort für „sich erinnern“. Daraus hat sich sowohl unser Begriff „Recorder“ für ein elektronisches Aufnahmegerät entwickelt als auch das englische Wort für die Blockflöte – sie heißt dort auch „recorder“. In ihrer ersten gemeinsamen Komposition „Recordari“ spielen die Blockflötistin Elisabeth Haselberger und der Audiokünstler Gerald Fiebig mit dieser Doppeldeutigkeit: Die Anweisungen, die die Partitur stellt, können auf unterschiedliche Weisen mit dem einen und dem anderen „recorder“ erfüllt werden. Einerseits kommen diverse elektronische Geräte infrage, solange sie eine Aufnahmefunktion haben. Andererseits ist klar, dass nur eine Blockflöte (und nicht irgendeine andere Art von Flöte) eingesetzt werden kann – denn nur diese heißt eben „recorder“ und nicht „flute“.

 

nach dem nachkrieg – Gedichte

Mit „nach dem nachkrieg“ legt Gerald Fiebig seinen ersten Gedichtband seit mehr als 10 Jahren vor. Der Band erscheint im Kölner Verlag „parasitenpresse“, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 einen Namen gemacht hat als Adresse für anspruchsvolle Lyrik-Editionen in ungewöhnlicher Ausstattung.

Gerald Fiebig (*1973) lebt in Augsburg als Lyriker, Audiokünstler und Leiter des Kulturhauses abraxas. Dieses befindet sich in einem ehemaligen Offiziersheim der NS-Wehrmacht, das später von der US-Armee und seit 1995 von der Stadt Augsburg genutzt wird. Das Gebäude und seine Geschichte sind Thema der Gedichte in „nach dem nachkrieg“.

Ausführliche Besprechung des Bandes in der Süddeutschen Zeitung

Vertonung der Gedichte durch Poembeat:

Pulsar / Evélotion / No recordings

Gerald Fiebig (1973–)
Pulsar (2011, UA)

Gerald Fiebig (1973–)
Evélotion (2015, UA)
Unter Verwendung von Aufnahmen aus dem Archiv von Luc Ferrari (Cliquetis rythmique machine. Créamaille 88 – son industrie accélération et decélération. Créamaille 88 – machine en marche passant de gauche à droite. Labyrinthe portrait – les grenouilles. Grillons et ambiance calme dans la soirée) und Fahrradklingeln aus der Sammlung der Bikekitchen Augsburg (www.bikekitchen-augsburg.de)

Gerald Fiebig (1973–)
No recordings (2007, UA)

DIE !VIER elusive – playful – modern

Bereits zum vierten Mal präsentiert die Augsburger Gesellschaft für neue Musik in ihrem open stage- Konzert eine Auswahl der Augsburger Szene in einem offenen, weiten Spektrum der ästhetisch variantenreichen Spielarten von Gegenwartsmusik.

Musik von John Cage, Fabrizio De Rossi Re , Richard Heller, Stephan Marc Schneider u.a.

Mitwirkende: Iris Lichtinger, Markus Mehr, Gerald Fiebig, das AJE- Kollektiv, Stefan Barcsay, Harald Lillmeyer, Christian Z. Müller, Sebastian Hausl, Stefan Schulzki .

Tickets zu 15 bzw erm. 12 Euro
unter (0821) 324 4155
oder tickets@jetztmusik-augsburg.de
sowie an der Abendkasse

INFO: http://www.jetztmusik-augsburg.de

Eine Veranstaltung von jetzt: Musik! AGNM e.V. in Kooperation mit dem H2- Zentrum für Gegenwartskunst .

Gerald Fiebig feat. Re-Drum: Live @ K15, Augsburg, 2017-05-27

Gerald Fiebig (poetry, voice) and Re-Drum aka Pavel Aleshin (electronics) meeting in a live improvisation.
Poems (in German) by Gerald Fiebig are from the books geräuschpegel and normalzeit, quotes are from Samuel Beckett, Phil Ochs and Martyn Schmidt.