Stefan Barcsay & Gerald Fiebig: CETACEA

Seidlvilla, Nikolaiplatz 1 b, 80802 München
Sa, 07.11.2020 um 20:00 Uhr

Die Augsburger Musiker Stefan Barcsay (Gitarre) und Gerald Fiebig (Elektronik) präsentieren ihr erstes gemeinsames Konzertprogramm. Im Mittelpunkt des Abends steht die ungewöhnliche Kombination aus Barcsays teilweise unkonventionell gespielter akustischer Gitarre und elektronischen Sounds. Zur Aufführung kommen auch Stücke für (teilweise präparierte) Gitarre und elektroakustische Klänge, die Gerald Fiebig speziell für diesen Abend komponiert hat. Dabei spielen auch Wale, Spieluhren, defekte CDs und Klänge aus derAugsburger Industriegeschichte eine Rolle. Neben den Stücken von Gerald Fiebig spielt Barcsay „Pietà“, das eigens für ihn geschriebene Stück der slowenischen Komponistin Larisa Vrhunc.

Tickets (12,- / 15,- €) bittte vorreservieren unter info@seidlvilla.de

Gerald Fiebig (*1973): Die Außenseite der Musik (2009)

Gerald Fiebig: CD (2020)

Gerald Fiebig: Chords of Shame (2020)

Gerald Fiebig: This Machine Kills Fascists (2020)

Gerald Fiebig: Ships in the Night (2016)

Larisa Vrhunc (*1967): Pietà (2019)

Gerald Fiebig: Wave/Drown (Music for Global Warming) (2013)

GeraldGerald Fiebig: Cetacea (2020)

Fiebig & EMERGE: post-industrial (2014)

Gerald Fiebig: Echoes of Industry III (2020)

Gerald Fiebig: Die Außenseite der Musik

Das Stück basiert auf Geräuschen, die beim Manipulieren einer Tonbandspule, einer Schallplatte, einer CD und einer Minidisc (ohne Abspielgeräte!) entstanden. Das Objekt „Tonträger“, das selbst kein Ton, keine Musik, ja nicht einmal Information ist, wird hier eben doch zum Klangereignis. So unterstreicht das Stück die materielle Dimension jeglicher Kompositions- und Aufnahmepraxis: Sie ist untrennbar von dem Medium, in dem sie stattfindet.

Gerald Fiebig: CD (für Stefan Barcsay)

„CD“ ist ein Beispiel für musikalisches Upcycling. Für das Zuspiel wurden die Klänge mehrerer defekter CDs zusammengemischt. Die harmonischen Effekte ergaben sich dabei zufällig aus dem vorgefundenen Abfall des Tonträger-Zeitalters. Durch die Verbindung mit der Gitarre werden diese Fragmente von digital gespeicherter Musik wieder in Live-Musik überführt. Das Strukturprinzip des Stücks geben aber die CDs vor – einerseits in Form des rhythmischen Pulses der CD-„Hänger“, den der Gitarrenpart aufgreift; andererseits in Form der Zufälligkeit der entstehenden (Dis-) Harmonien. Das Arbeiten mit vorgefundenem Klangmaterial wurde auch auf die Gitarre übertragen: Das Stück verarbeitet die Kombinationen der Töne C und D, die man findet, wenn man sich das Griffbrett der Gitarre hinaufarbeitet. Mit anderen Worten: Sowohl auf dem Zuspiel wie auch im Instrumentalpart kann man nur CD hören – aber das live.

Gerald Fiebig: Chords of Shame

Am 05. Februar 2020 ließ sich der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten von Thüringen wählen. Die im Titel benannten „Akkorde der Schande“ (der Titel ist eine Anleihe bei dem Song „Chords of Fame“ von Phil Ochs) bestehen aus einem Störgeräusch, das auf Basis der Töne A, F, D sowie auf Basis der Töne F und D in einer anderen Tonlage gefiltert wurde. Das „P“ von „FDP“ wird durch einen anderen Teil des Noise-Artefakts repräsentiert. Ursprünglich sollten die Akkorde mit besonders geschmacklosen Synthesizer-Presets eingespielt werden, um diese Schande für die Demokratie musikalisch zu schmähen. Doch der elektroakustische Glitch erwies sich dann als noch besser geeignet, um einen sogenannten „Betriebsunfall“ des Parlamentarismus zu thematisieren. Die kompositorische Kernidee verdanke ich dem Stück „fck a f d“ von elektrojudas (https://elektrojudas.bandcamp.com/track/fck-a-f-d).

Gerald Fiebig: This Machine Kills Fascists (für Stefan Barcsay)

„This Machine Kills Fascists“ schrieb der US-amerikanische Liedermacher Woody Guthrie 1941 auf die Gitarre, mit der er seine antifaschistischen Songs begleitete. In dem Stück „This Machine Kills Fascists“ kommen neben der Gitarre noch zwei weitere Musikmaschinen zum Einsatz: Spieluhren, die auf die Hymnen der sozialistischen Bewegung („Die Internationale“) und der Europäischen Union („Ode an die Freude“) gestimmt sind. Das Stück öffnet einen dritten Raum zwischen diesen Stücken und den damit assoziierten Idealen – als musikalische Utopie eines noch uneingelösten politischen Versprechens.

Gerald Fiebig: Ships in the Night

Mohanad Jammo entkam aus dem vom Krieg zerrissenen Syrien. Als sein Schiff auf dem Mittelmeer in Seenot geriet, ertrank er beinahe: Die italienische und die maltesische Marine versuchten stundenlang, sich der Verantwortung für die Rettung des Schiffs zu entziehen. Damit spiegelt seine Geschichte die aktuelle Gesamtsituation in Europa: Statt die Kräfte zu bündeln, um Flüchtlinge aufzunehmen, verweigern sich viele Staaten der europäischen Solidarität. Diesen Aspekt des Verfehlens/Im-Stich-Lassens thematisiert das Stück durch den Kontrast zwischen „realen“ Schiffshörnern (von freesound.org) und „abstrakten“ elektronisch erzeugten Wellen.

Larisa Vrhunc: Pietà

Geschrieben für den Gitarristen S. Barcsay für das Projekt AUF DEM WEG ZUR PIETÀ.

Gerald Fiebig: Wave/Drown (Music for Global Warming)

Aus dem Lärm von Autoverkehr taucht der Klang einer Gitarre (gespielt von Jürgen Jäcklin) auf. Die Gitarrenklänge bilden die Grundlage für die elektroakustische Komposition des Mittelteils – bis sie wieder unter dem akustisch „steigenden“ Meeresspiegel des Mittelmeers (aufgenommen auf Sardinien) versinken. Das Stück stellt so den Zusammenhang zwischen den Ursachen des Klimawandels (CO2-Ausstoß, repräsentiert durch die Autos) und seinen Folgen (der steigende Meeresspiegel) her.

Gerald Fiebig: Cetacea (für Stefan Barcsay)

„Cetacea“ ist der zoologische Name für die Wale. Das Stück ist eine Hommage an die interessanten Klänge, die auch von Zahnwalen hervorgebracht werden (die meist im Schatten der für ihren Gesang berühmteren Buckelwale stehen). Das Zuspiel besteht aus Aufnahmen von Fleckendelfinen, Großen Tümmlern und Pilotwalen, die Gerald Fiebig und Tine Klink 2017 über und unter Wasser vor La Gomera gemacht haben. Die Gitarrenstimme sucht sich durch spezielle Spieltechniken den zwischen Klicken und Zwitschern changierenden Walklängen anzunähern. Die Verwendung der Notenwerte C, E und A verweist auf das titelgebende Wort „Cetacea“. Das Plakatmotiv für unser Konzert zeigt ebenfalls zwei Pilotwale vor La Gomera.

Gerald Fiebig: Echoes of Industry III (für Stefan Barcsay)

Auf dem Zuspiel berichtet Johann Artner, der von 1947 bis 1989 im Gaswerk Augsburg arbeitete, u.a. vom Atmen in einem Gastank. „Atemnot“ lässt sich auch als Metapher für den Klimawandel lesen, den uns die von fossilen Brennstoffen getriebene Industrialisierung gebracht hat. Mit dem Trend zu Digitalisierung und Miniaturisierung ist unser exzessiver Ressourcenverbrauch keineswegs beendet. Das Zuspiel ist eine Art ironischer Kommentar zu dieser Miniaturisierung: Im Resonanzraum eines Gitarrenkorpus erklingen historische Maschinen, die früher ganze Fabrikhallen füllten. Das Stück ist eine kammermusikalische Fortschreibung der elektroakustischen Komposition „Echoes of Industry“ auf der CD „Gasworks“ von Gerald Fiebig feat. EMERGE & Christian Z. Müller.

Studio KO-OP (Paolo Moretto & PAAK)/EMERGE/Gerald Fiebig: voice & noise

Remembering the October Revolution, the Munich soviet republics & DADA – we had opportunities.

Live performance at Kulturhaus abraxas (Augsburg / Germany), February 2019

credits

released January 11, 2020

Little instruments, effects, voices, tapes etc. by Studio KO-OP / EMERGE / Gerald Fiebig
recording by EMERGE
editing by EMERGE & PAAK
cover by PAAK

www.ko-op.eu
www.paolomoretto.com
www.peterkastner.eu
emergeac.wordpress.com

 

Gasworks (CD)

GASWORKS_Cover

„Gasworks“ versammelt die Klanginstallationen, Radiostücke und Live-Performances, die Gerald Fiebig zum ehemaligen Gaswerk in Augsburg-Oberhausen realisiert hat. Sie entstanden zwischen 2010 und 2016, teilweise zusammen mit EMERGE und Christian Z. Müller. In den Kompositionen finden bearbeitete Aufnahmen von Gas und Industriemaschinen Verwendung, aber auch die Erzählungen eines ehemaligen Gaswerksmitarbeiters sowie Live-Improvisationen in der Echokammer des großen Scheibengasbehälters. Gestaltung: Martina Vodermayer.

In Augsburg ist die CD erhältlich bei Tonträger, Kätchens, der Buchhandlung am Obstmarkt, Bücher Pustet, der Schlosserschen Buchhandlung, den Museumsshops im Schaezlerpalais und im H2 sowie in der Bücherinsel Pfersee.

Deutsche Übersetzung des Booklets

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„Gasworks“ by sonic artist Gerald Fiebig collects his sound installations, radiophonic compositions, and live performances relating to the former gasworks in Augsburg-Oberhausen. They were created between 2010 and 2016, some in collaboration with colleagues EMERGE and Christian Z. Müller. Among the compositional materials of the album are processed recordings of the sounds of gas and industrial machinery, stories told by a former gasworks employee, and live improvisations in the echo chamber of the large gas tank. Artwork: Martina Vodermayer

 

fiction circuit (LP)

by ARTIFICIAL MEMORY TRACE / GERALD FIEBIG / EMERGE / PBK

Artificial Memory Trace aka Slavek Kwi and PBK aka Phillip B. Klingler have been pillars of the global DIY experimental music culture for decades. Both of them have released work on attenuation circuit before. Here, they team up with label owner EMERGE aka Sascha Stadlmeier and his colleague Gerald Fiebig. Each one of the four artists contributes one track of about 10 minutes to the album. But while the four-way split LP is a common format in the global sound culture scene, “fiction circuit” is more than just a compilation.

All of the artists on this album share a love of creating electroacoustic music from field recordings or found sounds. Therefore, label manager Stadlmeier invited Artificial Memory Trace (AMT) and PBK to supply source sounds from their archives. These were then used as the basis for the compositions. Leaving the source material identifiable was not the task – it was to be used as raw material to be sculpted, very much in the spirit of acousmatic musique concrète. On the AMT side, we find the tracks by PBK and Gerald Fiebig. They both used AMT’s source material to create their tracks. PBK delivers a dense, rather rhythmic track with a decidedly “industrial” feel. Fiebig’s track, on the contrary, uses the front cover artwork – a digital collage by EMERGE of visual works by Kwi and Klingler, with other works by them reproduced on the lavishly printed LP insert – as a graphic score for realising a rather harmonic ambient piece. On the PBK side, Artificial Memory Trace and EMERGE “play” the source sounds supplied by PBK. The piece by Artificial Memory Trace qualifies as exuberant rhythm noise, while EMERGE goes all the way into rather meditative laminar lower-case drone minimalism. Therefore, regardless of which side of the record one plays first (“AMT” and “PBK” are engraved on the vinyl itself to guide the listener), one will experience, thoroughout the whole album, a change between very different sonic textures and temperaments that showcase the wide range of expressive possibilities of electroacoustic music. This is not the product of good luck, but of planned collective composition: AMT and PBK, as the “guests” on the label, were invited to create whatever they liked without any formal restrictions. As it turned out, both of their works were rather intense and direct in character. Therefore, EMERGE and Fiebig both made an effort to complement each side with a more subdued, quiet piece.

File under: Electroacoustic music, musique concrète

Orientalism: „Ali’s Riot Men“

Orientalism was a conceptual collaboration project of Sustained Development (Gerald Fiebig) and EMERGE (Sascha Stadlmeier).

Field recordings from China
Processed by EMERGE
Stereotyped by Orientalism
Deconstructed by Sustained Development

cover image by Michael Herbst
credits
released April 14, 2013

This side project of Sustained Development processes field recordings from the Far East (with some help from label mate EMERGE) to such an extent that they become hissing, granular sheets of sound resembling, for example, abstract Mille-Plateaux-style electronica rather than anything „concrete“. Reverb and time-stretching make the so-called „real“ sounds recorded during a trip through China into something very different, calm yet faintly ominous, far from the pseudo-documentary pose that is common in “field recordings” as a genre.

To quote Edward Said, who invented the term, “Orientalism is a Western style for dominating, restructuring, and having authority over the Orient” by creating stereotypical images of “the East.” This release by Orientalism (the title of the album and all tracks being anagrams of the word to hint at the ideological limitations of orientalist clichés) aims to subvert the stereotyping that is latent in a lot of field recordings of more or less “exotic” places because they tend to fix a limited sound image of what “the” Orient (or India, Kyoto, etc.) sounds like. In a certain way, the compositional treatment applied to the Chinese field recordings on this album insists on the right of every sound to become (abstract) music instead of just standing in as a tourist snapshot.

elektrojudas/EMERGE/Gerald Fiebig/If,Bwana: LIGHT – SOUND – LIGHT

LIGHT - SOUND - LIGHT

Durch die Elektrotechnik sind Licht und Schall als Grundlage der wichtigsten menschlichen Sinne ineinander übersetzbar geworden. Diese Performance verbindet den Klang von Feuer (der ersten künstlichen Lichtquelle) mit hörbar gemachten elektrischen Lichtquellen. Der Sound der Performance bzw. dessen elektrisches Ausgangssignal werden mittels eines Oszilloskops wieder in Lichtsignale gewandelt: der Transformationsprozess LICHT – KLANG – LICHT schließt sich zum (Strom-) Kreis.

Samstag, 20. Juni 2015
22:00 Uhr / 22:45 Uhr
Soho Stage, Ludwigstr. 34, 86150 Augsburg

Im Rahmen der Langen Nacht des Lichts

DUO RECORDRONIK / EMERGE / Gerald Fiebig

Duo Recordronik

20.03.2015 / Freitag / 20.00 Uhr / abraxas Theater, Augsburg

DUO RECORDRONIK
real time slow motion

Das DUO RECORDRONIK spielt Blockflöten seit 2002 auf buchstäblich un-erhörte Weise. Dazu lassen Elisabeth Haselberger und Petra Wurz durch elektronische Veränderung der Blockflötenklänge spannende Klangwelten entstehen, die zwischen Echtzeit-Action und Zeitlupe wechseln. Das Rauschen des Windes, das Knistern alter Schallplatten, ein Dominospiel und ein Kochrezept: All diese Dinge finden Platz auf den stimmungsvollen Sound-Landkarten, die Christoph Cech, Dorothée Hahne, Klaus Hollinetz, Periklis Liakakis, Fabrizio de Rossi Re und Agostino Di Scipio für das DUO RECORDRONIK komponiert oder mit dem DUO erarbeitet haben.

EMERGE & Gerald Fiebig

Ferner sind zwei elektroakustische Stücke der Augsburger Komponisten EMERGE und Gerald Fiebig zu hören. Sie basieren auf der Blockflöten-Klangforschung von SchülerInnen der Grundschule Augsburg Vor dem Roten Tor unter Leitung von Elisabeth Haselberger im Rahmen des Projekts MEHR MUSIK!

Workshop

20.03.2015 / Freitag / 20.00 Uhr / abraxas Theater
Eintritt: € 15,- / € 10,- (ermäßigt) an der Abendkasse

Kartenvorverkauf und -reservierung: abraxas Büro, Tel. (0821) 324 63 55
Vorverkauf auch über: Theatergemeinde Augsburg, Tel. (0821) 455 79 00

Info:
http://echokammer.org
http://www.tkva.de

If, Bwana / Sustained Development / elektrojudas / EMERGE: Crossgrained

The three solo tracks performed by If, Bwana on this live recording are based on sounds played on the bassoon, flute, and guitar and make a wonderful introduction to his work with layered, pitch-shifted acoustic instruments. This stuff is among the best you can get in contemporary drone music – rich in texture, sensuous, emotional, and still abstract enough to “clear the mind.” On another two tracks, If, Bwana is joined by his local support group at this July 2012 gig in Germany for an unlikely but happy marriage of his layered sound textures, 50 Hz hum, and lots of electroacoustic sound gadgetry.

Supporting If, Bwana at his concert in Augsburg, Germany on 4 July 2012, local artists Sustained Development aka Gerald Fiebig, elektrojudas, and EMERGE teamed up for a free improvised set using sampled bass guitars, miked-up wave drums and induction coils, monotrons, and smartphone apps, also documented on this 2 CD set. Another two tracks resulted from the trio joining If, Bwana for a demonstration of the possibilities of experimental music, which are endless provided they are approached in an open-minded way. In this case, two very distinct idioms – calm, contemplative drones and fidgety, highly interactive glitch/noise improvisation – fuse perfectly thanks to the alertness of the players.