Lied für Georg Elser

In memoriam Georg Elser (geboren 4. Januar 1903 in Hermaringen, Württemberg; ermordet 9. April 1945 im KZ Dachau, Bayern).

Alle Einnahmen aus diesem Download werden gespendet an die Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e. V. (a.i.d.a.).

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Dedicated to the memory of Georg Elser (born 4 January 1903 in Hermaringen; murdered 9 April 1945 at Dachau Concentration Camp).

All proceeds from this download will be donated to the Antifascist Information, Documentation, and Archive Center Munich (a.i.d.a.)

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Lied für Georg Elser

Er war geschickt mit den Händen,
Kannte sich aus mit Metall und mit Holz.
Ich stell ihn mir eher schweigsam vor,
Fast verschlossen und, ja, auch stolz.

Kein Mitläufertyp,
sondern einer, der genau überlegt.
Der sich Sachen gut anschaut
und sie erst wieder aus der Hand legt,

Wenn sie gründlich erledigt sind.
Die Kollegen nannten ihn pinglig.
Er war kein Rotfront-Marschierer,
Doch sein Widerstand war extrem dringlich.

Und er hätt‘ es beinah‘ geschafft,
Die Mörder live on air zu zerstören.
Das Explosionsgeräusch war für die
Radiohörer deutlich zu hören.

Er war kein Selbstmördertyp,
Er trank nicht und spielte gern Zither.
Er zeugte zwei bis drei Kinder,
Doch die Zeiten waren so bitter,

Dass er alle verließ, weil sonst
Niemand was tat gegen den Wahn.
Er stahl Sprengstoff im Steinbruch,
Er hatte nicht nur Mut, sondern auch Plan.

Jeden Abend im Bürgerbräukeller
für 6 Groschen eine Arbeitermahlzeit.
Ins Besenkammerversteck
Und dann in 30 Nächten Kleinarbeit

Die Säule aushöhlen und die Bombe
Dann darin verstecken.
In der Nacht auf 8. November
überprüft er durch Horchen das Ticken.

Und er hätt‘ es beinah‘ geschafft,
Die Mörder live on air zu zerstören.
Das Explosionsgeräusch war für die
Radiohörer deutlich zu hören.

Am 9. April 45 brachten sie Elser um.
4 Wochen drauf war ihr Scheißkrieg dann endlich herum.
Und nach einer ausgesprochen kurzen Re-Edukation
Gab man den Deutschen schon wieder Motivation.

Durch Musik, die erhebt und erbaut,
Variationen auf ein uraltes Thema.
Drum steht, ja Egk mich doch am Orff,
Dort heut der Protzbau der GEMA,

Wo der Bürgerbräukeller stand,
Der der Ort von Elsers Attentat war.
Sein Gedenkschild ist nicht einmal so groß
Wie ein GEMA-Formular.

Spielt ihm zu Ehren die Zither,
Denn er wollte die Mörder zerstören.
Spielt so laut, dass wir endlich
Dieses Explosionsgeräusch hören.

 

Akustisches Denkmal für Walter Klingenbeck

Walter-Klingenbeck-Weg, München
(c) Mathias Huber

In the context of „Ortstermine München 2006“, die grenzlandreiter (Mathias Huber and Gerald Fiebig) and several dozen participants with CD and cassette players commemorated anti-fascist acitivist Walter Klingenbeck, murdered by the Nazis in 1943, by walking through his Munich neighbourhood playing a sound collage based on the BBC „Victory“ sign that inspired Klingenbeck’s attempts at airing anti-fascist broadcasts. A radiophonic version of the piece was broadcast on Radio Art 106 FM, Tel Aviv (in excerpts), and Kunstradio – Radiokunst, Vienna. / Im Rahmen von „Ortstermine München 2006“ erinnerten die grenzlandreiter (Mathias Huber und Gerald Fiebig) und einige Dutzend Teilnehmende mit CD- und Kassettengeräten an den 1943 von den Nazis ermordeten Antifaschisten Walter Klingenbeck. Bei einem Rundgang durch sein Münchner Stadtviertel spielten sie eine Klangcollage ab, die auf dem „Victory“-Signal der BBC basierte, die Klingenbecks Versuche mit einem antifaschistischen Radiosender inspiriert hatte. Eine radiophone Fassung des Stücks wurde auf Radio Art 106 FM, Tel Aviv (in Auszügen), und im Kunstradio – Radiokunst, Wien, gesendet.