23 Minutes for Recorder and Recorder

festival_2018_-plakat

„23 Minutes for Recorder and Recorder“
von Elisabeth Haselberger und Gerald Fiebig
sind eine Version eines Stücks aus ihrem Zyklus „Recordari“.

https://recorderrecorder.wordpress.com/

„23 Minutes for Recorder and Recorder“ erarbeiten Haselberger und Fiebig auf der Basis von „Recordari #1“. Wir reisen von unterschiedlichen Orten (Ulm und Augsburg) zur Aufführung in München an. Daher sind die Klänge auf dem Weg zur Aufführung für uns Teil der „äußeren Umgebung des Aufführungsorts“. Elisabeth Haselberger berichtet auf akustische Weise über ihre Anreise von Ulm nach München – was nicht nur die quasi programmmusikalische Abbildung von Umweltgeräuschen meint. Die „Reise“ zur Aufführung kann auch interpretiert werden als der geistige und instrumentaltechnische Vorbereitungsprozess – sodass alles, was auf der Bühne erklingt, ein „Ergebnisbericht“ über diese Reise ist.

Gerald Fiebig hat mit seinem Recorder eine lange Aufnahme (1 Stunde 20 Minuten) seiner Zugfahrt von Augsburg nach München gemacht und eine kurze (ca. 3 Minuten), wie er in München von der U-Bahn-Station zu seinem Zielort läuft. Jede dieser Aufnahmen wurde auf genau 23 Minuten gestaucht bzw. gedehnt. Diese beiden Varianten vom Recorder relativierter Zeit dienen ihm als Instrumentarium.

Die Beschäftigung mit Textpartituren wie dieser wirft auch Fragen nach dem Wert von musikalischer Zeit als Arbeitszeit auf. Wie viel Zeit muss investiert werden, um aus der Partitur eine gelingende Aufführung zu machen? Diese Frage stellt sich selbstverständlich bei jeder Partitur: jedes Stück muss ja analysiert und dann geprobt werden. Die Frage verschärft sich allerdings nochmals bei Partituren, die sehr viel Kompositionsaufwand vom „offiziellen“ Komponisten an den Interpreten oder die Interpretin delegieren. Bei vielen „inderminierten“ Stücken oder „Number Pieces“ von John Cage ist es z.B. realistisch anzunehmen, dass sie viel schneller geschrieben wurden, als die Vorbereitung für eine Aufführung dauert. Allzu häufig schlägt sich das nicht in einer angemessenen Würdigung der Interpret*innen nieder. Das bezieht sich nicht nur auf deren Honorierung. Es geht auch um die Frage: Wer kann hier eigentlich mit Recht in Anspruch nehmen, der Komponist oder die Komponistin zu sein? Mit der Münchner Aufführung von „23 Minutes for Recorder and Recorder“ sind wir in der glücklichen Lage, als Composer-Performer beide Rollen verbinden zu können. Das Konzept von „Recordari“ bietet seinen Interpret*innen (die wir ausdrücklich als Ko-Komponist*innen sehen und die als solche auch immer genannt werden sollen) aber bewusst sehr breite Auslegungsmöglichkeiten, wie eine Aufführung vorzubereiten ist. Man kann die Texte von „Recordari“ als Grundlage für eine gelenkte Improvisation ohne jede weitere Vorbereitung verwenden oder nach ihrer Vorgabe komplexe ausnotierte Kompositionen erstellen.

Welche Variante sie wählen ­ also eben auch: wie viel Zeit sie in die Erarbeitung einer bestimmten Menge musikalischer Zeit investieren – können die künftigen Verwender*innen von „Recordari“ auch davon abhängig machen, mit welchen finanziellen Rahmenbedingungen sie für diese musikalische Zeit wirtschaften müssen.

Advertisements

Schindler – Fiebig – Lillmeyer: NOISEJOICE. KlangReisen ins Ungewisse

schindler-fiebig-lillmeyer

16. Oktober 2014 / 20:30 Uhr | KONZERT
i-camp, Entenbachstraße 37, 81541 München

NOISEJOICE
KlangReisen ins Ungewisse. Ein Konzert von Schindler – Fiebig – Lillmeyer

Udo Schindler – Blasinstrumente
Harald Lillmeyer – Gitarre + Elektronik
Gerald Fiebig – Elektroakustik

Der Multiinstrumentalist, Komponist und Architekt Udo Schindler und Professor Harald Lillmeyer an der Elektrogitarre und Live-Elektronik sind ein seid Jahren in unterschiedlichen Besetzungen agierendes Team, u.a. mit Christoph Schiller oder Klaus-Peter Werani.

Für das Konzert NoiseJoice wird sich Gerald Fiebig hinzugesellen.
In dieser Besetzung spielten das Trio bereits beim 46. Salon für Klang+Kunst in Krailling im Juni 2014, über das die Süddeutsche Zeitung urteilte: „(…). Sich in diesen Kategorien mit analogen Instrumenten einzubringen, stellte Schindler vor eine anstrengende Aufgabe, erfordert es doch schon rein technisch viel Kraft, laut hörbare Geräusche ohne Verstärker zu erzeugen. Aber Schindlers Vokabular und Trickkiste – Zungenschnalzer durchs Mundstück, Kornettdämpfen mit einem Plastikbecher – ermöglichten es, das Klangspektrum der Geräusche reizvoll zu erweitern. Das Publikum war begeistert.“

Die improvisierte, teilweise geräuschorientierte Kammermusik formt Klangbilder und Geschichten und ist geprägt u.a. durch die Konfrontation der jeweiligen, nicht nur musikalischen Ursprünge der Spieler (freier Jazz, alte, experimentelle und zeitgenössische Musik, Textarbeiten, Poesie), der Gegenüberstellung elektronischer und akustischer Klänge, erweiterter Spieltechniken (Multiphonics, Mikrotonalität, Präparierungen, elektronische Klanggestaltung) und der Nichtidentifizierbarkeit der Klangerzeuger.

Der Improvisationsansatz reicht von kaum wahrnehmbaren, subtilen bis zu hoch-energetischen Soundereignissen.

Dauer: ca. 2 x 40 Min., mit Pause
Tickets: € 16.- / ermäßigt € 10.-
Reservierung: via tickets@i-camp.de, Online-Reservierung oder nach Verfügbarkeit an der Abendkasse.

Das Konzert von Schindler / Fiebig / Lillmeyer findet mit freundlicher Unterstützung durch i-camp/neues theater münchen statt.

Bildquelle: Marc Fischer/Brezenstudio.com