Jesus Jackson und die grenzlandreiter: Lieder für unheimlich sichere Zeiten

siko

Freitag, 29. Juni 2018 – 21:00 Uhr – Provino Club, Augsburg

Das Lo-fi-Pop/Akustik-Punk-Trio Jesus Jackson und die grenzlandreiter (Jesus Jackson, Mathias Huber, Gerald Fiebig) singt schöne Lieder über hässliche Zustände in Flüchtlingsunterkünften, in der Stadtplanung, in der Rüstungsindustrie, in der Energiepolitik, auf dem Wohnungsmarkt und im Welthandel – alles Bereiche, in denen Mangel an Solidarität das Leben vieler Menschen unsicher macht. Aber ihre Songs handeln auch davon, dass Widerstand gegen diese Verhältnisse nicht zwecklos ist.

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KLONK: Klangdüker

Klangdüker

Bildquelle: Landschaftspflegeverband Augsburg

Klanginstallation im Rahmen der Blauen Nächte
Sa, 7. Juli / Sa, 11. August / Sa, 8. September 2018 jeweils 18.30–23 Uhr
Maximilianmuseum, Fuggerplatz 1, Augsburg

Das ausgeklügelte System von Lechkanälen und Quellbächen im Siebentischwald ist ein wesentlicher Bestandteil der historisch einmaligen Wasserversorgung Augsburgs. Düker sind unterirdische Rohrleitungen, mit denen sich Wasserläufe kreuzen können, ohne sich zu vermischen. Düker sind im Stadtwald Augsburg besonders wichtig, damit sich Quellbäche und Lechkanäle nicht vermischen. Die Quellbäche haben nämlich Trinkwasserqualität, aber die Kanäle enthalten Sedimente aus dem Lech.

Das Duo KLONK (Tine Klink und Gerald Fiebig) hat mit einem Hydrofon (Unterwassermikrofon) die Fließgeräusche verschiedener Bäche und Kanäle im Siebentischwald aufgenommen. Im Mittelpunkt steht der Klang des Siebenbrunner Bachs (einer der Lechkanäle). Er wurde aber nicht „naturbelassen“, sondern mit elektronischen Effekten musikalisiert. Diese Klangveränderung steht symbolisch für die Sedimente, die die Wasserqualität des Siebenbrunner Bachs verändern.

Während der Blauen Nächte wird der Viermetzhof des Maximilianmuseums zum „Klangdüker“. In ihm mischt sich der schwebende Klang, der aus dem Siebenbrunner Bach gewonnen wurde, mit realistisch klingenden Hydrofon-Aufnahmen aus dem Zigeunerbach und dem Grenzgraben sowie mit dem Klang des Augsburger Wassers, das von oben nach unten „live“ durch den Viermetzhof fließt.

Am Fr, 13. Juli von 17:00 bis 20:00 Uhr kann man bei einer von Tine Klink geführten Radtour unter anderem die Bäche erkunden, die hier zu hören sind (Buchung unter www.us-augsburg.de). Bildquelle: Umweltstation Augsburg.

Auch du, SchusterhAUS – Filmsoundtrack

Auch du, SchusterhAUS from Martina Vodermayer on Vimeo.

„Der Bagger geht um im Augsburger Textilviertel: Nach dem GärtnerhAUS muss das SchusterhAUS einem Neubau weichen. Ende 2016 wird das historische Färbereigebäude von der Bäckerei Schuster aufgegeben und im Frühjahr 2017 in knapp drei Wochen dem Erdboden gleichgemacht. Einen Eintrag in die Denkmalliste gab es für das Schusterhaus nicht. Dafür sind seine letzten Wochen gut dokumentiert und nun im knapp 7-minütigen Stop-Motion-Video mit kurzen Live-Sequenzen zu sehen. Bild + Schnitt (c) 2018 Martina Vodermayer (martavictor.design) – Soundtrack (c) 2018 Gerald Fiebig“

Gestohlenes Band (retourniert) / Tape Stolen and Returned

ORF Kunstradio, Ö1 – 18. Februar 2018, 23:00 Uhr MEZ / 11 pm CET

In Gerald Fiebigs Plattensammlung findet sich die LP „Strategien gegen Architekturen 80-83“ der Einstürzenden Neubauten und auf dieser Platte gibt es auch den ganz kurzen Track „Gestohlenes Band (ORF)“. Dieser ist Ausgangspunkt der radiokünstlerischen Retournierung des Bandes an den ORF und zwar genau 36 Jahre später. Am 18. Februar 1982 nahm Blixa Bargeld während eines Interviews im ORF-Funkhaus ein Tonband aus dem Studio mit. Einen kurzen Auszug daraus platzierte er als akustisches Readymade unter dem Titel „Gestohlenes Band (ORF)“ auf einer Platte seiner Band Einstürzende Neubauten. Am selben Tag genau 36 Jahre später gibt Gerald Fiebig das Band durch eine Sendung im ORF symbolisch an diesen zurück: Das nur 17 Sekunden lange Stück, von dem Bargeld behauptete, „das zentrale musikalische Element ist die Tatsache, dass es am 18. Februar 82 in Wien gestohlen wurde“, wird bei Fiebig zum einzigen Ausgangsmaterial eines 19-minütigen Radiostücks. „Gestohlenes Band (retourniert)“ oszilliert zwischen Remix und Neukomposition, zwischen Hommage und Parodie und wirft dabei Fragen nach dem Status von Autorenschaft, geistigem Eigentum und Medienwandel auf.

Gerald Fiebig’s next radio piece for ORF Kunstradio in Vienna will be an extended re-mix of „Gestohlenes Band (ORF)“. This 17-second snippet is part of the Einstürzende Neubauten album „Strategies Against Architecture“. The band claimed that „the main musical element is the fact that it was stolen in Vienna on 18 February 1982. On the very same day exactly 36 years later, Fiebig will be returning the tape to ORF symbollically by broadcasting on that very same station a 19-minute version of the Neubauten track that has been, as John Oswald would call it, „bettered by the borrower“. Homage or parody? Decide for yourself.

nach dem nachkrieg – Gedichte

Mit „nach dem nachkrieg“ legt Gerald Fiebig seinen ersten Gedichtband seit mehr als 10 Jahren vor. Der Band erscheint im Kölner Verlag „parasitenpresse“, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 einen Namen gemacht hat als Adresse für anspruchsvolle Lyrik-Editionen in ungewöhnlicher Ausstattung.

Gerald Fiebig (*1973) lebt in Augsburg als Lyriker, Audiokünstler und Leiter des Kulturhauses abraxas. Dieses befindet sich in einem ehemaligen Offiziersheim der NS-Wehrmacht, das später von der US-Armee und seit 1995 von der Stadt Augsburg genutzt wird. Das Gebäude und seine Geschichte sind Thema der Gedichte in „nach dem nachkrieg“.

Ausführliche Besprechung des Bandes in der Süddeutschen Zeitung

Vertonung der Gedichte durch Poembeat:

Orientalism: „Ali’s Riot Men“

Orientalism was a conceptual collaboration project of Sustained Development (Gerald Fiebig) and EMERGE (Sascha Stadlmeier).

Field recordings from China
Processed by EMERGE
Stereotyped by Orientalism
Deconstructed by Sustained Development

cover image by Michael Herbst
credits
released April 14, 2013

This side project of Sustained Development processes field recordings from the Far East (with some help from label mate EMERGE) to such an extent that they become hissing, granular sheets of sound resembling, for example, abstract Mille-Plateaux-style electronica rather than anything „concrete“. Reverb and time-stretching make the so-called „real“ sounds recorded during a trip through China into something very different, calm yet faintly ominous, far from the pseudo-documentary pose that is common in “field recordings” as a genre.

To quote Edward Said, who invented the term, “Orientalism is a Western style for dominating, restructuring, and having authority over the Orient” by creating stereotypical images of “the East.” This release by Orientalism (the title of the album and all tracks being anagrams of the word to hint at the ideological limitations of orientalist clichés) aims to subvert the stereotyping that is latent in a lot of field recordings of more or less “exotic” places because they tend to fix a limited sound image of what “the” Orient (or India, Kyoto, etc.) sounds like. In a certain way, the compositional treatment applied to the Chinese field recordings on this album insists on the right of every sound to become (abstract) music instead of just standing in as a tourist snapshot.

Mortuarium

Based on the sounds of a live performance at „Lichtnächte“ festival 2011, the audience, and the performance space, at the „mortuarium“ (indoor gravesite) at Eichstätt cathedral. / In dem Stück wurden Aufnahmen einer Performance von mir beim „Lichtnächte“-Festival 2011 verarbeitet – inklusive Publikumsgeräuschen und der Akustik des Aufführungsortes: das „Mortuarium“ (Grablege) im Eichstätter Dom.