Ortsverschiebungen – Eri Kassnel, Jakob Krattiger, Gerald Fiebig

 

 

Neue Galerie im Höhmannhaus, Maximilianstr. 48, 86150 Augsburg
Ausstellung: 27. Januar bis 26. März 2017
Vernissage: Fr, 27. Januar um 19:30 Uhr

Entgegen dem landläufigen Sprachgebrauch werden Orte nicht nur durch ihre Lage im Raum bestimmt, sondern auch in der Zeit – ob historisch oder biografisch, kalendarisch oder meteorologisch.

So definieren die Künstler Eri Kassnel, Jakob Krattiger und Gerald Fiebig den Ausgangspunkt ihrer Zusammenarbeit.
Die Wechselbeziehungen zwischen Orten und Zeitlichkeit erforschen sie in dieser gemeinsamen Ausstellung, die sie für die Neue Galerie im Höhmannhaus konzipiert haben.

Eri Kassnel (*1973) inszeniert in ihren Foto- und Videoinstallationen Doina und Rückkehr ins Paradies den Zusammenhang von Ort und Erinnerung, Heimat und Migration.

Jakob Krattiger (*1974) untersucht in einer Art dokumentarischer Meditation mit seiner Fotoserie die Veränderung eines Ortes anhand des ehemaligen Augsburger NCR-Hochhauses.

Die Klanginstallation orts/zeit/verschiebung von Gerald Fiebig (*1973) entsteht aus einer Performance während der Eröffnung der Ausstellung. Sie verbindet die Themen der visuellen Arbeiten von Kassnel und Krattiger auf akustischer Ebene mit dem Galerieraum.

Sounding Paintings

„Farben sind Schwingungen des Lichts, Töne Schwingungen der Luft. […] Es müsste sich doch berechnen lassen, welche Lichtschwingungen mit welchen Tonschwingungen in Übereinstimmung gebracht werden könnten. Ja, das ist möglich.“ (www.uni-ulm.de/einrichtungen/emu/projekte/archiv/2014-blaue-musik/, 03.12.2016) Aber nach den Erkenntnissen der modernen Physik gibt es keine eindeutige, wissenschaftlich korrekte Übereinstimmung. (vgl. http://www.see-this-sound.at/kompendium/text/43/6, 03.12.2016) Bei der Umdeutung von Farben in Töne muss sich der Audiokünstler also eigene Regeln setzen – ähnlich wie der Maler bei der Gestaltung eines abstrakten Gemäldes. Gerald Fiebig benutzt den von dem Maler Johannes Itten entwickelten Farbkreis, der das sichtbare Farbspektrum in 12 Farbwerte unterteilt, um die 12 Halbtöne der temperierten Klaviertonleiter diesen Farbwerten zuzuordnen. Auf dieser Grundlage werden ihm die Gemälde zu Partituren für die Klangerzeugung, wobei er die Bilder mit zeitlichen Koordinaten versieht. Die so entstandenen Kompositionen arbeiten mit der Schichtung von Klangflächen und Spielgesten – ähnlich wie im Malprozess verschiedene Farbflächen nacheinander aufgetragen und durch grafische Gesten akzentuiert werden.

„Colours are vibrations of light, tones are vibrations of air. […] So it should be possible, which light frequencies can be made to correspond with which tone frequencies. Yes, it is possible.“ (https://www.uni-ulm.de/einrichtungen/emu/projekte/archiv/2014-blaue-musik/, 2016-12-03, my translation) But according to the insights of modern physics, there is no direct, scientifically correct „match“ (cf. vgl. http://www.see-this-sound.at/kompendium/text/43/6, 2016-12-03). When transforming colours into tones, the sound artist is forced to set up his own rules for himself – much like the painter of an abstract painting. Gerald Fiebig uses the circle of colours devised by the painter Johannes Itten, which divides the spectrum of visible light into 12 colours. To each of these 12 colours, Fiebig assigns one of the 12 semitone of the tempered scale. On this basis, he uses the pictures as scores for creating sound by mapping time coordinates onto the pictures. The resulting compositions employ techniques of layering sound textures and gestures – similar to the process of painting in which layers of colour are superimposed onto one another and accentuated with graphical gestures.

Schulweg Börstingen

582d-1136-47fd-a478-3e7fae050707„Schulweg Börstingen“ was created in October 2016 during a residency at kunstort ELEVEN artspace in Starzach-Börstingen. The residency was part of the „vorort_2_draussen“ symposium and art festival, curated by Monika Golla and Frank Fierke. It invited artists to create work based on their experience in the village of Börstingen. For „Schulweg Börstingen“, I recorded ambient sounds of the village as well as voices of people I asked for the way to the (former) school, which is now home to the „kunstort ELEVEN artspace“. The piece was premiered at the art space at the closing concert of the festival on 20 October, 2016.

Ships in the Night

Mohanad Jammo ESCaped from war-torn Syria on a ship across the Mediterranean. He nearly drowned because the Italian and Maltese navies tried for hours to ESCape their responsibilities for saving the damaged ship. This is Europe’s current situation in a nutshell: instead of pooling resources to accommodate refugees, many countries are searching for a political ESCape sequence from European solidarity. This aspect of missing out/failing is manifested in the piece in the contrast between “real-world” ship horns (from freesound.org) and “abstract” electronically generated waves, all based on the notes E flat (in German: ES) and C.

Mohanad Jammo entkam (ESCape) aus dem vom Krieg zerrissenen Syrien. Als sein Schiff auf dem Mittelmeer in Seenot geriet, ertrank er beinahe: Die italienische und die maltesische Marine versuchten stundenlang, sich der Verantwortung für die Rettung des Schiffs zu entziehen (ESCape). Seine Geschichte bringt die aktuelle Gesamtsituation in Europa auf den Punkt: Statt die Kräfte zu bündeln, um Flüchtlinge aufzunehmen, suchen viele Staaten eine politische ESCape-Sequenz aus der europäischen Solidarität. Diesen Aspekt des Verfehlens/Im-Stich-Lassens thematisiert das Stück durch den Kontrast zwischen „realen“ Schiffshörnern (von freesound.org) und „abstrakten“ elektronisch erzeugten Wellen, die alle auf den Notenwerten ES und C basieren.

Gerald Fiebig: „Stördämpfung“ (Beatrice Ottmann – Stimme, Stefan Schulzki – Klavier und Elektronik)

Samstag, 18.6.2016
17:00 Uhr

Schwere Reiter
Dachauerstr. 114 | München
Tram 12, 20, 21, Bus 53 – Leonrodplatz

#MGNM20Gastspiel

Musiker aus Augsburg spielen Werke von Augsburger und Münchner Komponisten: Ein Austauschprojekt mit der Augsburger Gesellschaft für Neue Musik.
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Münchner Gesellschaft für Neue Musik

Genaues Programm und Besetzung unter:
www.mgnm.de