Echoraum Cadolzburg / Cadolzburg Echo Space

In dem 2017 eröffneten Museum „HerrschaftsZeiten – Erlebnis Cadolzburg“ im Schloss Cadolzburg dient die Klanginstallation „Echoraum Cadolzburg“ von Gerald Fiebig zur Bespielung eines Raums, der baulich nicht rekonstruierbar ist. Die Installation wechselt zwischen Geräuschkulissen und musikalischen Passagen, um die Besucher*innen zur Auseinandersetzung mit dem Raum und dem Problem der „Authentizität“ in Museen anzuregen. Der musikalische Strang zitiert musikalische Stile aus der jahrhundertelangen Geschichte der Burg. Der Geräuschstrang dekonstruiert nach und nach eine „Burg-Geräuschkulisse“, wie man sie aus Filmsoundtracks kennt. Die Burgklänge wurden von Heiko Schlachter (Audiobooking) komponiert. Die technische Einrichtung der Hardware plante und realisierte Georg Sturm (Sturm & Sterne). „Echoraum Cadolzburg“ entstand als Auftragsarbeit für die Bayerische Schlösserverwaltung und wurde kuratiert von Dr. Uta Piereth und Dr. Sebastian Karnatz.

Burg Cadolzburg
audiobooking
Sturm und Sterne

The museum „A Castle and Its Lords“ at Cadolzburg castle in Germany, opened in 2017, uses the sound installation „Echoraum Cadolzburg / Cadolzburg Echo Space“ by Gerald Fiebig to present aspects of the building’s history that could not be materially reconstructed. The installation alternates between sound effects and musical signifiers to engage visitors with their environment and to spark reflection on the problems of “authenticity” in museums. While the musical thread offers quotes from musical styles representing the castle’s history, the sound thread gradually deconstructs a “castle soundscape” inspired by film soundtracks. The basic soundscape was composed by Heiko Schachter @ audiobooking. The hardware installation was planned and realised by Georg Sturm @ Sturm und Sterne. „Cadolzburg Echo Space“ was commissioned by the Bavarian Palace Department and curated by Dr Uta Piereth and Dr Sebastian Karnatz.

Burg Cadolzburg
audiobooking
Sturm und Sterne

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Grünstreifen – Klang- und Rauminstallationen von KLONK (Tine Klink & Gerald Fiebig) in der Galerie Extrawurst, Augsburg

KLONK (Tine Klink und Gerald Fiebig)
Grünstreifen
Klang- und Rauminstallationen – Upcycling-Kunst
Galerie Extrawurst, Augsburg, 07. Mai bis 18. Juni 2017

KLONK ist der Sammelname für unsere gemeinsamen künstlerischen Aktivitäten. Die Projekte von KLONK ergeben sich aus der Schnittmenge von Themen und Formaten, die wir beide aus unserer jeweiligen Arbeit mitbringen: Natur und Ökologie, Textilkunst und Upcycling, Geräuschcollagen und Rauminstallationen seien hier als Beispiele genannt. Seit 2011 wurden verschiedene kleinere KLONK-Projekte als Radiostücke, Online-Audioveröffentlichungen und Performance realisiert.
Grünstreifen als erste Ausstellung von KLONK bündelt die Hauptmotive der bisherigen Arbeit.

Parallel zur Ausstellung erscheint die CD „For the Birds“ auf dem Label Recordings for the Summer. Sie enthält die in der Ausstellung zu hörenden Audioarbeiten sowie zwei thematisch verwandte Stücke.

Grünstreifen am Rand von Straßen oder Parkplätzen sind Versuche, in einer weitgehend technisierten Umwelt noch einen Anschein von Natürlichkeit zu wahren. Durch ihre Aufgesetztheit oder auch Hilflosigkeit mögen solche Grünstreifen, obwohl aus echtem Gras, bisweilen geradezu künstlich wirken. Um die Gegensätze von Natürlichkeit und Künstlichkeit sowie (nichtkommerzieller) Handarbeit und (kommerzieller) Industriefertigung geht es in allen Arbeiten der Ausstellung. Sie wurden speziell für die Räume der Galerie Extrawurst konzipiert. Die Leitmotive dabei sind Blumen und Vögel. Diese beiden Naturerscheinungen wurden in der Geschichte der Kunst besonders oft als stilisierte Ornamente eingesetzt. Als Schnittblumen und Ziervögel repräsentieren sie auch in unseren ansonsten künstlich erzeugten Wohn-Umwelten Reste von Natur. Ähnlich wie der Grünstreifen stehen sie damit für das doppelbödige Verhältnis des Menschen zur Natur, das zwischen Ausbeutung und Sehnsucht schwankt.

KLONK: For the Birds

KLONK: For the Birds

For the Birds (im Eingangsraum)
Die Installation For the Birds thematisiert das Verhältnis von Mensch und Natur in unserer Gegenwart, in der die Naturzerstörung fortschreitet, während auf der anderen Seite die Techniken für die Simulation künstlicher Natur immer alltäglicher werden. Die akustische Ebene besteht aus einer Endlosschleife, basierend auf je zwei Aufnahmen von echtem Vogelgesang von unterschiedlichen Orten Europas sowie aus je zwei Aufnahmen von künstlichem Vogelgesang, wie er bei einem Computerspiel und einem modernen Digitalwecker aus den Lautsprechern dringt. Auf der visuellen Ebene wird der Ausstellungsraum mit Grünstreifen aus Dekorasen verfremdet. Dieser ist mit echten und künstlichen (textilen) Blumen besetzt. Während die Besucher_innen z.B. darüber rätseln, ob sie gerade einen echten oder einen künstlichen Vogel hören, sind sie dazu eingeladen, die (echten) Blumen zu gießen. Diese kleine Geste des Selbst-Aktivwerdens am Kunstwerk ist als Hinweis zu verstehen: darauf, dass es auch in einer naturfernen städtischen Umgebung die Option auf „mehr Natur“ gibt, etwa durch Urban-Gardening-Projekte, bei denen man z.B. Grünstreifen mit mehr als nur Gras bepflanzt.

KLONK: Metal Birds

KLONK: Metal Birds

Metal Birds (im Kühlraum)
Die Klangaufnahme, die hier zu hören ist, stammt aus dem Nationalpark Eifel. Wie bei allen Nationalparks ist dessen Ziel die Vermittlung eines möglichst „ursprünglichen“ Naturerlebnisses. Um das Hören auf das Vogelzwitschern zu fokussieren, wurde an einer Stelle im Wald ein Hörtrichter aus Metall aufgestellt. Während wir die Vogelstimmen aufnahmen, funktionierten wir den Trichter zum Percussion-Instrument um. Damit reagierten wir auf die Paradoxie, dass sogar in einem solchen vergleichsweise natürlichen Umfeld Natur ohne künstliche Hilfsmittel gar nicht mehr erlebbar scheint. Ähnlich ambivalent zeigt sich die visuelle Ebene aus künstlichen Vögeln, die auf dem schmalen Grat zwischen Niedlichkeit und Hässlichkeit balancieren.

KLONK: Hedgebird

KLONK: Hedgebird

Hedgebird (im Flur)
Die „Hecke“ (englisch hedge) aus Plastikblumen im Flur treibt das Spiel mit der Künstlichkeit auf die Spitze. Als Kontrast dazu dürfen sich die Besucher_innen ihre eigene Klangkulisse aus Naturgeräuschen zusammenmischen. Zur Verfügung stehen die Geräusche von Vögeln, Bienen, Grillen und einem Igel (englisch hedgehog), sowohl aus dem KLONK-Archiv als auch von der Open-Source-Webplattform freesound.org. Weitere Klangobjekte, die zum Einsatz kommen können, sind die Klänge von Fahrradklingeln aus der Sammlung der Selbsthilfewerkstatt Bikekitchen Augsburg. Damit gibt die Arbeit einen kleinen Eindruck davon, wie Städte klinge(l)n könnten, wenn der gleichförmig dröhnende Autoverkehr durch Fahrräder ersetzt würde. Die Arbeit wurde in Kooperation mit dem Arbeitskreis Urbane Gärten in der Lokalen Agenda 21 erstmals 2015 beim ersten Augsburger Park(ing) Day in der Maximilianstraße präsentiert. Der Park(ing) Day ist ein weltweiter Aktionstag, bei dem Parkplätze durch kreative Aktionen umgenutzt werden. Damit zeigt er auf, welcher Zugewinn an Lebensqualität in Städten durch eine Reduzierung des Autoverkehrs möglich wäre. Neben dem Audiomaterial von Hedgebird kam dabei auch schon der Rasenteppich zum Einsatz, der nun im Eingangsraum der Galerie Extrawurst Verwendung findet. Der nächste Augsburger Park(ing) Day ist am 16. September geplant.

Auch die Bilder in dieser Ausstellung entstanden teilweise aus dem Wunsch, gebrauchten Plastik- und Textil-Elementen durch Upcycling im Rahmen von Kunstwerken eine neue Funktion zu geben. Solche Ressourcen sparende Wiederverwendung von Materialien versuchen wir in unserer Arbeit so oft wie möglich zu praktizieren. Ziel ist es, unsere künstlerische Tätigkeit mit unseren praktischen und politischen Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit zu verbinden. Ein weiteres Beispiel: Textile Handarbeitstechniken finden nicht nur zum Herstellen von Häkelblumen für Ausstellungen Verwendung, sondern auch für Guerilla-Art-Interventionen im öffentlichen Raum, z.B. im Kontext der politischen Auseinandersetzung um die Streckenführung der Linie 5.

Passend dazu dient während unserer Ausstellung die Galerie Extrawurst am 10. Juni auch als Ort für den ersten Augsburger World Knit in Public Day, bei dem jede_r zum gemeinschaftlichen Stricken vorbeikommen kann. Denn Selbstorganisieren und Selbermachen auf lokaler Ebene sehen wir als wichtige Schritte hin zu einer nachhaltigeren Lebensweise – einer Lebensweise, die dazu führen könnte, dass die reduzierten Grünstreifen in unserer Umwelt wieder breiter und bunter werden.

KLONK sind Tine Klink und Gerald Fiebig (beide Jahrgang 1973). Tine Klink alias Oda Klonk arbeitet mit ihrem Unternehmen Bunt und draußen – Krea(k)tivwerkstatt für Kunst und Natur an der Schnittstelle von Umweltbildung und Kunstpädagogik. Die Themen ihrer Workshops reichen von klimafreundlicher Ernährung bis zu Land Art im Stadtraum. Neben ihrer künstlerischen Arbeit, in der Textilarbeiten und Upcycling eine zentrale Rolle spielen, ist sie Sprecherin des Arbeitskreises Urbane Gärten in der Lokalen Agenda 21. Der Grow Up! Interkultureller Garten Augsburg e.V., in dessen Vorstand sie tätig ist, wurde 2016 mit dem Zukunftspreis der Stadt Augsburg ausgezeichnet.

Gerald Fiebig alias Otto Klonk arbeitet in seinen Klanginstallationen und -performances häufig mit Geräuschen der natürlichen wie auch der technischen Umwelt. Seine Klanginstallation Private Transport (mit Alexander Möckl), die seit 2012 in der Pferseer Unterführung zu hören ist, macht den Motorenlärm in der Unterführung zum Gegenstand. Dabei „belohnt“ sie Fußgänger und Radfahrer, weil sie aus dem Inneren von Kraftfahrzeugen heraus gar nicht hörbar ist. Für seine Klanginstallationen erhielt Fiebig unter anderem ein TONSPUR-Artist-in-Residence-Stipendium vom quartier21/MuseumsQuartier in Wien und den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg in der Sparte Bildende Kunst.

Tine Klink: www.tineklink.de | www.bunt-und-draussen.de | www.facebook.com/buntunddraussen
Gerald Fiebig: http://www.geraldfiebig.net | www.facebook.com/GeraldFiebigAudioArt
Recordings for the Summer: www.recordingsforthesummer.de
Bikekitchen Augsburg: www.bikekitchen-augsburg.de

Ortsverschiebungen – Eri Kassnel, Jakob Krattiger, Gerald Fiebig

Neue Galerie im Höhmannhaus, Maximilianstr. 48, 86150 Augsburg
Ausstellung: 27. Januar bis 17. April 2017
Vernissage: Fr, 27. Januar um 19:30 Uhr

Entgegen dem landläufigen Sprachgebrauch werden Orte nicht nur durch ihre Lage im Raum bestimmt, sondern auch in der Zeit – ob historisch oder biografisch, kalendarisch oder meteorologisch.

So definieren die Künstler Eri Kassnel, Jakob Krattiger und Gerald Fiebig den Ausgangspunkt ihrer Zusammenarbeit.
Die Wechselbeziehungen zwischen Orten und Zeitlichkeit erforschen sie in dieser gemeinsamen Ausstellung, die sie für die Neue Galerie im Höhmannhaus konzipiert haben.

Eri Kassnel (*1973) inszeniert in ihren Foto- und Videoinstallationen Doina und Rückkehr ins Paradies den Zusammenhang von Ort und Erinnerung, Heimat und Migration.

Jakob Krattiger (*1974) untersucht in einer Art dokumentarischer Meditation mit seiner Fotoserie die Veränderung eines Ortes anhand des ehemaligen Augsburger NCR-Hochhauses.

Die Klanginstallation orts/zeit/verschiebung von Gerald Fiebig (*1973) entsteht aus einer Performance während der Eröffnung der Ausstellung. Sie verbindet die Themen der visuellen Arbeiten von Kassnel und Krattiger auf akustischer Ebene mit dem Galerieraum.

Klonk: Hedgebird

Klonk: Hedgebird

Samstag, 19. September 2015 von 11:00 bis 15:00 Uhr
Maximilianstraße, Augsburg

Klonk (Tine Klink und ich) steuern zu dieser Veranstaltung eine interaktive Klanglandschaft mit dem Titel „Hedgebird“ bei – mit etwas Hilfe von der Bikekitchen Augsburg und den freesound.org-Nutzern juskiddink, j-zazvurek und soundscalpel.com.

Klonk (Tine Klink and I) will contribute an interactive soundscape installation called „Hedgebird“ to this event – with a little help from freesound.org users juskiddink, j-zazvurek, soundscalpel.com, and from Bikekitchen Augsburg.

Transatlantic Free Trade

66. Große Schwäbische Kunstausstellung
Sa. 29. November 2014 – So. 18. Januar 2015
Installation im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst Augsburg

Ursendung am 15. April 2015 um 13:00 Uhr auf Radiophrenia Glasgow in der Sendung „Radiophrenia Shorts“

Hier anhören / Listen here on Mixcloud

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Transatlantic Free Trade
Klanginstallation und Mischtechnik, 2014
Radiophone Komposition, 2015

CD-Player, Verstärker, Kopfhörer
Stereo-Loop auf Audio-CD, Dauer 17’01’’
Unterschriftenformulare für Selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative
Stifte

Ursendung am 15. April 2015 um 13:00 Uhr auf Radiophrenia Glasgow in der Sendung „Radiophrenia Shorts“

Die Originalarbeit beschäftigt sich mit den umstrittenen Freihandelsabkommen, die derzeit zwischen der EU und den USA verhandelt werden. Bei Abschluss der Verträge drohen neben sozialen und ökologischen Problemen auch massive Einbußen in der kulturellen Vielfalt Europas, etwa durch Einschränkungen der Kunstförderung durch die öffentliche Hand.

Die Arbeit thematisiert die zerstörerischen Wirkungen des vermeintlich „freien“ transatlantischen Handels anhand je eines US-amerikanischen und eines europäischen Klangartefakts. Beide werden zwischen jedem Abspielen immer wieder von einem Stereokanal zum anderen hin- und hergeschickt – symbolisch gesehen also von einer Seite des Atlantiks zur anderen.

Bei den Artefakten handelt es sich um Zitate aus Popsongs, die zu ihrer Zeit „Exportschlager“ waren: aus dem Klassiker „Dancing in the Streets“ von Martha and the Vandellas, der auf dem in den 1960ern auch in Europa sehr populären amerikanischen Motown-Label erschien, und aus „Rock Me Amadeus“ von Falco, einer der ganz wenigen aus Europa stammenden Produktionen, die jemals die Nr. 1 der US-Hitliste erreichte.

Dass der transatlantische Austausch auch eine Schattenseite haben kann, wenn er einseitig ausgestaltet wird, deutet die Arbeit durch eine klangliche Metapher an. Bei jedem Hin- und Hersenden der Musikfragmente verstummt ein kleines Stück davon. Durch diese „Löcher“ in der Musik dringt ein Rauschen, das sich im Lauf der Zeit immer deutlicher als Meeresrauschen herausstellt. Es handelt sich hier um das Geräusch des Atlantiks, aufgenommen auf den Azoren (siehe Bild oben), also etwa auf halbem Weg zwischen Amerika und Europa. Die Arbeit bringt somit kulturelle – und dabei durchaus kommerzielle – Artefakte in ein Spannungsfeld mit der reinen Natur. Man kann dies als Anspielung darauf lesen, dass die aktuell diskutierten Freihandelsabkommen kommerzielle Interessen einzelner Unternehmen über die Vorsorge für das Dasein von Millionen von Menschen stellen.

In dem Raum, in dem die Installation zu hören ist, finden interessierte Besucher_innen Unterschriftenlisten zur Unterstützung der Selbstorganisierten Europäischen Bürgerinitiative gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP sowie Stifte. Die Unterschriftenformulare enthalten Informationen zu dem Abkommen, die als Hintergrund zur Arbeit dienen können, und bieten den Besucher_innen die Möglichkeit, sich nicht nur rezeptiv, sondern aktiv mit der Arbeit auseinanderzusetzen, indem sie die Initiative mit ihrer Unterschrift unterstützen.

Re_carnation

Von 23. bis 25. November 2014 wurde die Installation „Re_carnation“ im Rahmen des „Sound Walk“ im O’culto da Ajuda beim Musica Viva Festival 2014 in Lissabon präsentiert. Das Thema der „Sound Walk“-Ausstellung war der 40. Jahrestag der Nelkenrevolution in Portugal.

On 23rd, 24th and 25th, 2014, the installation „Re_carnation“ was exhibited as part of the „Sound Walk“ at O’culto da Ajuda within the Musica Viva Festival 2014 in Lisbon. The theme of the Sound Walk exhibit was the 40th anniversary of the Carnation Revolution in Portugal.

[ENGLISH BELOW]

Re_carnation
Im heutigen politischen Klima scheint die Revolution nur noch ein nostalgischer Traum aus längst vergangener Zeit zu sein, wie eine bittersüße Kindheitserinnerung, die vom Klang einer Spieluhr heraufbeschworen wird. Deshalb basiert dieses Stück auf der Spieluhr-Version des wohl immer noch bekanntesten Revolutionsliedes, der „Internationale“. Nach dem ersten Durchgang beschleunigt sich die Musik geradezu wahnwitzig, bleibt stecken und zerfällt dann in einzelne Töne – eine Klangmetapher für den fiebrigen Enthusiasmus von Revolutionszeiten, der nur allzu oft durch ein Gefühl der Stagnation ersetzt wird, wenn das Alltagsgeschäft einer neuen politischen Machtordnung Platz greift. Aber dadurch, dass einzelne Elemente herausgegriffen und quer durchs Stereofeld wiederholt werden, gewinnt das Stück am Ende doch wieder etwas Dynamik. Das ursprüngliche Lied ist nicht mehr erkennbar, aber einige seiner Elemente haben sich zu einer offeneren, zeitgemäßeren musikalischen Struktur gewandelt. Man kann das lesen als Metapher für den Versuch, die „Reinkarnation“ einer fortschrittlichen Politik jenseits oder außerhalb des Paradigmas der Revolution herbeizuführen – zum Beispiel auf lokaler Ebene, in kleinen Gemeinschaften analog zu den kleinen Tonzellen, die hier aus der größeren Melodie des klassischen Liedes herausgelöst werden. Die Bezugnahme auf diese „Reinkarnation“ im Titel lässt an der Stelle des „in“ aus mehreren Gründen eine Lücke: Diese lässt Raum für Zweifel, ob solche neuen politischen Ansätze die Sehnsucht nach einem wahrhaft revolutionären Wandel erfüllen können, sie spielt auf die Zweifel bezüglich revolutionärer Gewalt an, wie sie schon die Beatles in „Revolution“ dadurch zum Ausdruck brachten, dass zwei Sänger simultan „You can count me in/out“ sangen, und zudem verweist das Schriftbild des Titels so auf die Nelke (engl. „carnation“), die zum Symbol der letzten Revolution wurde, die in Westeuropa stattfand.

Re_carnation
In today’s political climate, revolution seems to many nothing more but a nostalgic dream from a long-gone era, like a bittersweet childhood memory evoked by the sound of a musical toy. This is why the piece is based on a music-box rendition of what is possibly still the best-known revolutionary song, “The Internationale”. After the exposition, it speeds up frantically and then gets stuck, subsequently falling apart into isolated tones – a sonic metaphor of the manic enthusiasm of revolutionary periods that all too often gets replaced by a feeling of stagnation when the everyday routine of a new political regime solidifies. But by picking out certain elements and repeating them across the stereo field, the piece regains a certain dynamism towards the end. The original song is not recognisable anymore, but some of its notes have metamorphosed into a more open, contemporary musical structure. This can be read as a metaphor for attempts at a ‘reincarnation’ of progressive politics beyond, or outside, the paradigm of revolution – for example on a local level, in small communities analogous to the small tone-cells picked out of the larger melody of the classic song. Reference to this ‘reincarnation’ in the title leaves a blank in place of the ‘in’ for several reasons: It leaves room for some doubt as to whether these new political approaches can completely fulfill the desire for a truly revolutionary change, it alludes to the doubts regarding violent revolution expressed in the Beatles’ “Revolution,” where various vocalists simultaneously sing “You can count me in/out”, and it visually draws attention to the carnations that were the symbol of the last revolution that took place in Western Europe.

Gerald Fiebig & EMERGE: post-industrial

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Soundinstallation, Stereoloop (39’10“)
Apparatehaus, Gaswerk Augsburg, 04. bis 15.06.2014

Wie viele andere Orte in Augsburg ist das Gaswerk im Augsburger Stadtteil Oberhausen noch immer vom Geist des „klassischen“ Industriezeitalters durchweht, das in vieler Hinsicht heute Vergangenheit ist. Schwere Maschinen sind heute in vielen Produktionsprozessen durch flüchtig wirkende digitale Operationen ersetzt. Die Klanginstallation von Gerald Fiebig und EMERGE inszeniert diese (vermeintliche) „Ent-Materialisierung“ anhand verschiedener Klangquellen: Maschinengeräusche aus dem historischen Fabrikgebäude von Eberle in Pfersee verweben sich mit dem Geräusch des an sich schon flüchtigen Industrieprodukts Gas in digitaler Verfremdung zu einer Geistermusik, die speziell für die Ausstellung der Künstlergruppe 38/40 im Apparatehaus geschaffen wurde.

Like many other places in Augsburg, the former gasworks still resonate with the spirit of the ‚classical‘ industrial age, today a thing of the past in many ways. In many production processes, heavy machinery has been replaced by seemingly elusive digital operations. The sound installation by Gerald Fiebig and EMERGE uses various sound sources to represent this (supposed) „de-materialisation“: Thanks to digital processing, machine noises from the historical Eberle factory building in the neighbouring Pfersee district interweave with the sound of gas, an industrial product that is elusive by nature. The resulting ghost music was created especially for an exhibition by artists‘ group 38/40.