Orientalism: „Ali’s Riot Men“

Orientalism was a conceptual collaboration project of Sustained Development (Gerald Fiebig) and EMERGE (Sascha Stadlmeier).

Field recordings from China
Processed by EMERGE
Stereotyped by Orientalism
Deconstructed by Sustained Development

cover image by Michael Herbst
credits
released April 14, 2013

This side project of Sustained Development processes field recordings from the Far East (with some help from label mate EMERGE) to such an extent that they become hissing, granular sheets of sound resembling, for example, abstract Mille-Plateaux-style electronica rather than anything „concrete“. Reverb and time-stretching make the so-called „real“ sounds recorded during a trip through China into something very different, calm yet faintly ominous, far from the pseudo-documentary pose that is common in “field recordings” as a genre.

To quote Edward Said, who invented the term, “Orientalism is a Western style for dominating, restructuring, and having authority over the Orient” by creating stereotypical images of “the East.” This release by Orientalism (the title of the album and all tracks being anagrams of the word to hint at the ideological limitations of orientalist clichés) aims to subvert the stereotyping that is latent in a lot of field recordings of more or less “exotic” places because they tend to fix a limited sound image of what “the” Orient (or India, Kyoto, etc.) sounds like. In a certain way, the compositional treatment applied to the Chinese field recordings on this album insists on the right of every sound to become (abstract) music instead of just standing in as a tourist snapshot.

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Michael Herbst/Gerald Fiebig: Rückwärtsklicken

Für diese Installation habe ich Texte zu Michael Herbsts Fotos beigesteuert. Sound gibt es dazu aber auch, nämlich von Tom Simonetti (Rhytm Police, Die Hangonauten) – und zwar am Samstag, den 21.09.2013 von 18:00 Uhr bis 22:00 Uhr im Café am Milchberg in Augsburg im Rahmen des Kunstparcours.

Rückwärtsklicken

Wer sich näher für das Konzept der Arbeit interessiert, kann hier einen Text von Michael Herbst dazu lesen:

Rückwärtsklicken, 2010 – 2012

Folgt man dem Gedankenexperiment, sich Eindrücke und Erinnerungen als beständiges Reservoir vor das geistige Auge zu legen, so stellen sich zwei Fragen: Wie ordnen sich diese Lagerstätten und wie könnte man sich diese dauerhaft erschließen?
Die Politik bemüht sich seit jeher, das Gedenken und Erinnern als ideologisch aufgeladenen Akt zu inszenieren und ordnet damit große Teile ihres Aufgabengebietes, versammelt Individuen unter einem Claim, meistens „die Nation“, trennt und spaltet wieder auf. Subjektive Eindrücke können schon per se einer solchen Inszenierung nicht folgen, sind sie eben doch nur jedem Einzelnen vertraut, eignen sich nicht zur präzisen Beschreibung sowie Weitergabe, und erschließen sich nur vor dem jeweiligen vollständigen biografischen Hintergrund.
Wie Stiller bei Max Frisch richtig feststellt: „Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben.“
Die vorliegende Arbeit versucht diesen Satz zu umgehen, ohne ihn als treffende Markierung des sozialen Miteinanders gänzlich zu vergessen. Auch wenn wir wollten: wir kommen nicht ohne intersubjektiv geteilte Wahrnehmungen aus, sind eben doch in unseren sozialen Kontexten gefangen, so sehr wir uns auch einreden, von diesen unabhängig zu sein, und uns gänzlich selbstbestimmen wollen.
Betrachten wir unsere Wahrnehmungen als Abraumhalden, die Ergebnis einer immer neuen Auseinandersetzung mit unserer Umwelt sind, die von uns bewusst und unbewusst geschaffen werden, so wird möglicherweise auch deutlich, dass diese Lagerstätten der „Wiederverwertung“ zugänglich gemacht werden können: Denken als Bergbau. Unsere Biografie als Gesteinsmasse, die wir aus unterschiedlichen Richtungen abtragen können, in die wir Stollen treiben, um zu den Lagerstätten vorzustoßen, die wir selbst angelegt haben und die wir kartografieren sollten, um uns zu vergewissern, dass wenigstens wir uns unser Leben erzählen können, wenn wir es schon anderen nicht berichten können. Ebenso bleiben damit auch die schwarzen Flecken der Erinnerung im Bilde, die wir auf unseren Landkarten zu umgehen versuchen, wenn wir uns bewusst nicht erinnern wollen und Vergangenes am liebsten aus unserem Gedächtnis streichen wollen. Gewissermaßen analog zu diesem Prozess wurde eine Anzahl von Fotografien angefertigt und lose arrangiert. Unabhängig davon wurden diese Fotografien als Startpunkt verstanden, jene Gedankengänge mit Worten zu begleiten und dem reinen visuellen Vorgang ein Korsett zu geben. Gleichzeitig treten auch die Bilder mit den Worten in ihren Dialog und ergänzen den Versuch, die Bilder als jene Masse zu verstehen, in die wir selbst unentwegt Probebohrungen jagen, um uns zu vergewissern, dass wir in der Lage sind, unsere Biografie geradlinig zu rekonstruieren. Der dabei gewählte Startpunkt ist gänzlich egal, begreifen wir unsere Vergangenheit und Gegenwart doch nur selten als reinen Ablauf von Ereignissen, der uns „zu dem machte, was wir heute sind“, denn als präsenten Gefühlszustand, dem wir uns immer wieder stellen müssen. Analog dazu tauchen Bilder und Worte in einem Dauerloop auf.
Durch das Erinnern wird die Vergangenheit nicht gebannt, sondern erst wirklich erfahren: bewusst benennbar, stimmhaft und spruchreif.

Gerald Fiebig: Piano Decay

Piano Decay

While staying in the Berlin apartment of Jürgen Schlöh Lehmann and Michael Herbst in early December 2012, I played a series of isolated notes on the defunct piano I found in the living room and recorded them with what equipment was at hand. The four pieces on this release were constructed from these recordings. A live version was performed at Quiet Cue, Berlin, on December 8, 2012. Thanks are due to Michael Herbst, Jürgen Schlöh Lehmann; and Nicolas Wiese, who commissioned me to play at Quiet Cue and thus inspired the creation of the live version. The photograph (copyright Michael Herbst) shows a detail of the actual piano.

Während meines Aufenthalts in der Wohnung von Jürgen Schlöh Lehmann und Michael Herbst in Berlin im Dezember 2012, spielte ich eine Reihe einzelner Noten auf dem kaputten Klavier, das ich dort im Wohnzimmer fand, und nahm sie mit dem Equipment auf, das ich gerade zur Hand hatte. Die hier veröffentlichten vier Stücke wurden aus diesen Aufnahmen konstruiert. Eine Livefassung wurde am 8. Dezember im Quiet Cue in Berlin aufgeführt. Mein Dank gilt Michael Herbst, Jürgen Schlöh Lehmann und Nicolas Wiese, der mich zu dem Auftritt im Quiet Cue eingeladen und damit die Livefassung angeregt hatte. Das Foto (Copyright Michael Herbst) zeigt ein Detail des bewussten Klaviers.