RecorderRecorder @ Hörsturm Festival

Plakat 2020_hoersturm A3 KopieFreitag, 11. September 2020 um 22:30 Uhr
Hörsturm Festival in der LMS (Landesmusikschule)
Ried im Innkreis, Österreich

RecorderRecorder
GehHörGang
Konzertinstallation

„Recorder“ ist das englische Wort für Aufnahmegerät und Blockflöte. Elisabeth Haselberger und Gerald Fiebig nutzen als Duo RecorderRecorder in Ulm und Augsburg beide ihre Recorder, um gemeinsam Stücke zu komponieren. Exklusiv für das Hörsturm Festival haben sie ein Stück erarbeitet, in dem das Gebäude der Landesmusikschule Ried i/I selbst mitspielt. Geräuschaufnahmen aus verschiedenen Räumen und Gängen der LMS werden im Stück verarbeitet. Beim Hören entdecken wir, dass in diesem Gebäude nicht nur viel musiziert wird – auch das Haus selbst hat typische Klänge. Die Blockflöte greift rhythmische und harmonische Strukturen aus den aufgenommenen Haus-Klängen auf. Eine besondere Rolle spielen die Boden- und Wandbeläge der Gänge: Sie sorgen immer wieder für eine andere Resonanz unserer Schritte. Das Publikum ist eingeladen, diese verschiedenen Räume selbst hörend zu erkunden. Deshalb beginnt das Konzert mit dem Gang des Publikums hin zum Konzertraum. In den Gängen dienen Hörstationen mit den Klängen von Schritten als akustische Wegweiser. Mit den Geräuschen ihrer eigenen Schritte wirken die Gäste selbst am Konzert mit. Am Ende des gegangenen Hörweges findet dann die Aufführung des Duo RecorderRecorder statt.

Die technische Realisierung dieses Stücks wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von MEHR MUSIK! Augsburg.

Gerald Fiebig/Eri Kassnel: Utopia wohnt nebenan

Sonntag, 27. Dezember 2015, 23:03 – 23:59, Ö1
KUNSTRADIO – RADIOKUNST

Utopia wohnt nebenan from EKH on Vimeo.

25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges ist vielerorts wieder eine große politische Distanz zwischen Westeuropa (z.B. Österreich) und Osteuropa (z.B. Rumänien) auszumachen. Allein schon an den historischen Wahlverwandtschaften zwischen den Städten Wien und Timisoara lässt sich festmachen, dass dies ein Zerrbild ist. Für das Stück „Utopia wohnt nebenan“ bewegen sich die Autor_innen durch die beiden Städte, inspiriert vom situationistischen Konzept der psychogeographischen Erkundung. Ausgangspunkte des ‚Umherschweifens‘ sind jeweils die Stadtteile Innere Stadt und Josefstadt (die es aufgrund der gemeinsamen Geschichte in Wien und Timisoara gibt). Aus den dabei gesammelten Fieldrecordings komponieren sie die Klanglandschaft einer utopischen Stadt, in der der Gegensatz von West und Ost außer Kraft gesetzt ist. In die Komposition eingewoben sind O-Töne mit Zeitzeug_innen, die sich an solidarisches Zusammenleben in Wien bzw. Timisoara unter schwierigen sozialen und politischen Bedingungen in unterschiedlichen Phasen des 20. Jahrhunderts erinnern. Die Zitate werden anhand gemeinsamer thematischer Motive in einen dialogartigen Bezug zueinander gesetzt, die den Blick auf den „Überschuss des Möglichen im Wirklichen“ (Ernst Bloch) der realen Geschichte von Österreich und Rumänien eröffnen. Die Sprecher_innen sind Friederike Brenner (geboren 1923 in Mödling bei Wien) und Johann Kassnel (geboren 1932 in Jahrmarkt bei Timisoara).

25 years after the end of the Cold War, the political distance between Western Europe (e.g. Austria) and Eastern Europe (e.g. Romania) seems to be increasing again in many respects. But this distorts the fact that there is a lot of shared history, which already becomes evident when looking at the parallels between the cities of Vienna and Timisoara. For their piece „Utopia lives next door“, the authors move through both cities, inspired by the situationist concept of psychogeographical examination of urban environments by means of ‚dérive,‘ the deliberately drifting walk through a city. The starting point of the excursions are the quarters Innere Stadt and Josefstadt – due to the shared history, both Vienna and Timisoara have districts with these names. From the field recordings thus collected, the authors compose the soundscape of a utopian city in which the difference between West and East has been erased. Woven into the composition are voice recordings from interviewees recalling instances of lived solidarity under difficult social and political circumstances in Vienna and Timisoara during different phases of the 20th century. Based on shared thematic motifs, the quotes are arranged into a quasi-dialogic relation to each other that offers a glimpse of the possibilities that were at hand, but were missed in the actual history of Austria and Romania. The speakers are Friederike Brenner (born in 1923 in Mödling near Vienna) and Johann Kassnel (born 1932 in Jahrmarkt near Timisoara).