Re_carnation

Von 23. bis 25. November 2014 wurde die Installation „Re_carnation“ im Rahmen des „Sound Walk“ im O’culto da Ajuda beim Musica Viva Festival 2014 in Lissabon präsentiert. Das Thema der „Sound Walk“-Ausstellung war der 40. Jahrestag der Nelkenrevolution in Portugal.

On 23rd, 24th and 25th, 2014, the installation „Re_carnation“ was exhibited as part of the „Sound Walk“ at O’culto da Ajuda within the Musica Viva Festival 2014 in Lisbon. The theme of the Sound Walk exhibit was the 40th anniversary of the Carnation Revolution in Portugal.

[ENGLISH BELOW]

Re_carnation
Im heutigen politischen Klima scheint die Revolution nur noch ein nostalgischer Traum aus längst vergangener Zeit zu sein, wie eine bittersüße Kindheitserinnerung, die vom Klang einer Spieluhr heraufbeschworen wird. Deshalb basiert dieses Stück auf der Spieluhr-Version des wohl immer noch bekanntesten Revolutionsliedes, der „Internationale“. Nach dem ersten Durchgang beschleunigt sich die Musik geradezu wahnwitzig, bleibt stecken und zerfällt dann in einzelne Töne – eine Klangmetapher für den fiebrigen Enthusiasmus von Revolutionszeiten, der nur allzu oft durch ein Gefühl der Stagnation ersetzt wird, wenn das Alltagsgeschäft einer neuen politischen Machtordnung Platz greift. Aber dadurch, dass einzelne Elemente herausgegriffen und quer durchs Stereofeld wiederholt werden, gewinnt das Stück am Ende doch wieder etwas Dynamik. Das ursprüngliche Lied ist nicht mehr erkennbar, aber einige seiner Elemente haben sich zu einer offeneren, zeitgemäßeren musikalischen Struktur gewandelt. Man kann das lesen als Metapher für den Versuch, die „Reinkarnation“ einer fortschrittlichen Politik jenseits oder außerhalb des Paradigmas der Revolution herbeizuführen – zum Beispiel auf lokaler Ebene, in kleinen Gemeinschaften analog zu den kleinen Tonzellen, die hier aus der größeren Melodie des klassischen Liedes herausgelöst werden. Die Bezugnahme auf diese „Reinkarnation“ im Titel lässt an der Stelle des „in“ aus mehreren Gründen eine Lücke: Diese lässt Raum für Zweifel, ob solche neuen politischen Ansätze die Sehnsucht nach einem wahrhaft revolutionären Wandel erfüllen können, sie spielt auf die Zweifel bezüglich revolutionärer Gewalt an, wie sie schon die Beatles in „Revolution“ dadurch zum Ausdruck brachten, dass zwei Sänger simultan „You can count me in/out“ sangen, und zudem verweist das Schriftbild des Titels so auf die Nelke (engl. „carnation“), die zum Symbol der letzten Revolution wurde, die in Westeuropa stattfand.

Re_carnation
In today’s political climate, revolution seems to many nothing more but a nostalgic dream from a long-gone era, like a bittersweet childhood memory evoked by the sound of a musical toy. This is why the piece is based on a music-box rendition of what is possibly still the best-known revolutionary song, “The Internationale”. After the exposition, it speeds up frantically and then gets stuck, subsequently falling apart into isolated tones – a sonic metaphor of the manic enthusiasm of revolutionary periods that all too often gets replaced by a feeling of stagnation when the everyday routine of a new political regime solidifies. But by picking out certain elements and repeating them across the stereo field, the piece regains a certain dynamism towards the end. The original song is not recognisable anymore, but some of its notes have metamorphosed into a more open, contemporary musical structure. This can be read as a metaphor for attempts at a ‘reincarnation’ of progressive politics beyond, or outside, the paradigm of revolution – for example on a local level, in small communities analogous to the small tone-cells picked out of the larger melody of the classic song. Reference to this ‘reincarnation’ in the title leaves a blank in place of the ‘in’ for several reasons: It leaves room for some doubt as to whether these new political approaches can completely fulfill the desire for a truly revolutionary change, it alludes to the doubts regarding violent revolution expressed in the Beatles’ “Revolution,” where various vocalists simultaneously sing “You can count me in/out”, and it visually draws attention to the carnations that were the symbol of the last revolution that took place in Western Europe.

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